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EINLADUNG ZUR DEBATTE: LOST IN POLITICS @ DOK LEIPZIG

Einladung zur Debatte: Lost in Politics @ Dok Leipzig
Eine Veranstaltung von DOK Leipzig, dem Verband der deutschen Filmkritik und der Woche der Kritik

Mittwoch, 01.11.17, 14-16 Uhr, im Polnischen Institut Leipzig
Teilnehmer*innen: Cristina Nord, Patrick Holzapfel, Jide Tom Akinleminu
Moderiert von Heike Melba Fendel

 

Die Welle an "politischen" Filmen ebbt nicht ab. Wir wollen einen Streitraum bespielen, um über das Politische im und am Dokumentarfilm nachzudenken. Sind (Dokumentar-)Filme automatisch dringlich oder wichtig, weil sie mit wichtigen oder dringlichen Themen befasst sind? Geht das, was (Dokumentar-)Filme politisch meinen, in dem auf, was sie ästhetisch tun? Was hat es auf sich mit dem Diktum (formuliert von Jean-Luc Godard), es gälte, keine politischen Filme, sondern Filme politisch zu machen?
Eine aktuelle Debatte im Frontgebiet: zwischen Formalismus und Inhaltismus, auch zwischen Strategien einer Ästhetisierung der Politik und solchen der Politisierung von Ästhetik.

Worum es gehen soll: Drei gegenwärtige Filmbeispiele werden auf den politisch-ästhetischen Prüfstand gestellt: "I Am Not Your Negro" (Raoul Peck), "Austerlitz" (Sergei Loznitsa) und "Project 55" ("Proyecto 55" von Miguel Colombo) aus dem diesjährigen Programm des Festivals.
Dazu detailfreudige Einlassungen dreier Gäste aus verschiedenen Milieus des Betriebs:
• Cristina Nord, Leiterin Kulturprogramm Westeuropa (Goethe Institut Brüssel), ehemals Filmredakteurin der taz
• Patrick Holzapfel, Filmkritiker und Filmemacher (Jugend ohne Film)
• Jide Tom Akinleminu, Kameramann und Regisseur (u.a. "Portrait of a Lone Farmer")
Das Gespräch wird moderiert von Heike Melba Fendel (Agentin, Kritikerin, Kolumnistin)

Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt.

Zeit: Mittwoch, 01.11.2018, 14:00-16:00
Ort: Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig
Eintritt frei

 

Filmausschnitte mit freundlicher Genehmigung der Edition Salzgeber und déjà-vu film

SIEGFRIED KRACAUER PREIS 2017 VERLIEHEN

Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg und die Film- und Medienstiftung NRW zeichnen gemeinsam mit dem Verband der deutschen Filmkritik die Journalistin Elena Meilicke mit dem Siegfried Kracauer Preis 2017 für die „Beste Filmkritik“ aus, eine Lobende Erwähnung geht an Federico Sanchez. Das Siegfried Kracauer Stipendium erhält Lukas Foerster.

 

Elena Meilicke gewinnt den Preis für die „Beste Filmkritik“ mit ihrer Rezension von „L'avenir“ („Alles was kommt“) von Mia Hansen-Løve. Sie erschien unter dem Titel „Zum Wasser“ in der Zeitschrift CARGO im Juni 2016. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Mit einer Lobenden Erwähnung wird Federico Sanchez für seinen Text „Beyoncé im Monstertruck“ ausgezeichnet, eine Filmkritik zu Raoul Pecks „I Am Not Your Negro“, die im März 2017 auf artechock erschien. Das Stipendium für das Jahr 2017/18 in Höhe von insgesamt 12.000 Euro erhält der Filmkritiker Lukas Foerster, der eine sechsteilige Artikelserie zum Thema „Zukunft des Kinos“ sowie einen regelmäßigen Blog verfassen wird. Die Preisübergabe fand am Samstagabend (16.9.) während der feierlichen Preisverleihung des Festivals des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein statt.

„Wir freuen uns sehr, bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit der MFG und dem VdFk und erstmals im Rahmen des Filmfestivals Ludwigshafen den Siegfried Kracauer Preis zu vergeben“, so Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW. „Eine gute Filmkritik macht Lust auf Filme und ermöglicht Cineasten wie Fans die Vertiefung der eigenen Filmrezeption. Das ist den diesjährigen Ausgezeichneten, Elena Meilicke und Federico Sanchez, ganz wunderbar gelungen! Herzlichen Glückwunsch auch an Lukas Foerster, der für seine Arbeit das diesjährige Stipendium erhält.“

„Wir freuen uns über die hohe Qualität der Einreichungen. Filmkritiken sind ein wichtiger Faktor in der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Kino. Sie lenken unseren Blick auch auf außergewöhnliche Filme, die sonst nur allzu leicht übersehen werden und tragen so dazu bei, unsere vielfältige Kinolandschaft zu bewahren“, so Prof. Carl Bergengruen, Geschäftsführer der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg.

Dr. Michael Kötz, Leiter des Festivals des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein betonte: „Da ich selbst als Filmkritiker angefangen habe, weiß ich, wie wichtig die Filmkritik für den deutschen Film ist. Eine fundierte Kritik ist gerade in digitalen Zeiten, wo Schnelligkeit oft vor Qualität geht, als Orientierung und Regulativ unabdingbar. So trägt der Siegfried Kracauer Preis Vorsorge, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Wir sind als Festival des deutschen Films bei dieser Initiative daher gerne Partner und Veranstalter.“

Die diesjährige Jury bestand aus der Filmregisseurin Lola Randl, der Vorstandsvorsitzenden des X Verleih Manuela Stehr und dem Filmkritiker Ekkehard Knörer, Gewinner des Siegfried Kracauer Preises 2016. Elena Meilicke habe unter 80 Bewerbern für die beste Filmkritik mit ihrem „persönlichen und emphatischen Zugang zum Film“  überzeugt, der sich „mit einer fundierten Analyse“ verbinde, so die Jury. Weiter heißt es in ihrer Begründung: „Dass das die Befassung mit Fragen nach gesellschaftlichen Rollenbildern (vor allem für Frauen) nicht ausschließt, belegt Elena Meilickes Text so unangestrengt wie entschieden.“

In ihrer Lobenden Erwähnung für die Kritik von Federico Sanchez hob die Jury hervor: „Sie ist schnell im Kopf und kontextualisiert den Film originell und kenntnisreich.“

Den zukünftigen Stipendiaten Lukas Foerster würdigte die Jury als Filmwissenschaftler, Kritiker und Kurator und für seine Schreibproduktivität, die „mit großer Vielfalt und Experimentierfreude in Stil, Sprache, Gegenständen“ Zeugnis großer Cinephilie ablege. Er verbinde „Leidenschaft fürs Vergangene mit Offenheit für alles, was die Gegenwart bietet und die Zukunft bringen wird“.

Der Verband der deutschen Filmkritik dankte am Abend der Verleihung den drei JurorInnen, die in ihrer neugierigen und zugleich resoluten internen Diskussion exemplarisch vorgeführt haben, wie anregend Filmkritik sein kann.

Die nach dem herausragenden Filmtheoretiker Siegfried Kracauer benannte Auszeichnung wird jährlich vergeben. Die Auslobung des Siegfried Kracauer Preises ist eine Initiative der MFG Filmförderung Baden-Württemberg, um die deutsche Kinolandschaft zu stärken, der sich die Film- und Medienstiftung NRW angeschlossen hat. Beide Filmförderungen stiften den Preis gemeinsam.

Auf der Internetseite www.siegfried-kracauer-preis.de stehen weitere Informationen bereit.

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NOMINIERUNGEN FüR DEN SIEGFRIED KRACAUER PREIS 2017 STEHEN FEST

Fünf Filmkritiken aus artechock, cargo, Perlentaucher, Spiegel Online und Welt wurden für den Siegfried Kracauer Preis 2017 in der Kategorie „Beste Filmkritik“ nominiert. Das Jahresstipendium erhält Lukas Foerster für eine Essayreihe zum Thema „Neue Cinephilie“. Beide Auszeichnungen werden am 16. September 2017 im Rahmen des Festivals des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein verliehen.

 

Bereits zum vierten Mal wird der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Siegfried Kracauer Preis für die „Beste Filmkritik“ und ein Jahresstipendium verliehen. Die MFG Baden-Württemberg und die Film- und Medienstiftung NRW richten den Preis in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik gemeinsam aus. Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW, wird die Auszeichnung gemeinsam mit dem Geschäftsführer der MFG, Prof. Carl Bergengruen, am 16. September 2017 überreichen. Die Gewinner werden im Rahmen der Preisverleihung des Festivals des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein geehrt.

Eine dreiköpfige unabhängige Fachjury, zusammengesetzt aus Vertretern der Sparten Filmproduktion, Filmverwertung und Filmkritik, beschied in einer gemeinsamen Sitzung über die Preisvergabe. Die Jury bestand 2017 aus der Filmregisseurin Lola Randl, der Vorstandsvorsitzenden des X Verleih Manuela Stehr und dem Filmkritiker Ekkehard Knörer, Gewinner des Siegfried Kracauer Preises 2016.

Nach einer anonymen Auswertung von 80 eingereichten Filmkritiken wurden fünf Nominierte bestimmt, die nun auf der Shortlist für den mit 3.000 Euro dotierten Preis für die Beste Filmkritik stehen. Zudem entschied die Jury über die Vergabe des mit 12.000 Euro ausgestatteten Jahresstipendiums, für das sich 15 Filmkritiker.innen beworben hatten. Es ist geknüpft an die Veröffentlichung einer Artikelserie sowie das Verfassen regelmäßiger Blogbeiträge. Medienpartner für die Veröffentlichungen der Texte, die im Rahmen des Stipendiums entstehen, ist der in Bonn ansässige FILMDIENST.

Die fünf Nominierten für die Beste Filmkritik 2017 sind:

Federico Sanchez mit dem Text „Beyoncé im Monstertruck“, erschienen auf artechock im März 2017 (Filmkritik zu „I Am Not Your Negro“)
Elena Meilicke mit dem Text „Zum Wasser“, erschienen in cargo Film/Medien/Kultur im Juni 2016 (Filmkritik zu „L‘Avenir“)
Lukas Foerster mit dem Text „Unbedingt entzückende Mischwesen“, erschienen im Perlentaucher im Dezember 2016 (Filmkritik zu „Salt and Fire“)
Johannes Bluth mit dem Text „Auf einmal ist da diese Wut“, erschienen bei Spiegel Online im Mai 2017 (Filmkritik zu „Nocturama“)
Cosima Lutz mit dem Text „Wenn du nicht weiter weißt, bau dir einen Wal“, erschienen in der Welt im August 2016 (Filmkritik zu „1001 Nacht“)

Wer in der Kategorie „Beste Filmkritik“ gewinnt, wird bei der Preisverleihung am 16. September bekannt gegeben.

Stipendiat des Siegfried Kracauer Preises 2017 ist Lukas Foerster. Seine Bewerbung konnte die Jury mit dem Vorhaben überzeugen, sich in der Essayreihe dem Thema „Neue Cinephilie“ zu widmen.
Die Jury hob hervor: In Zeiten, in denen überall in der Publizistik gespart wird, begrüßen wir es, dass es diesen Preis gibt. Auffällig war bei den diesjährigen Bewerbungen fürs Stipendium, wie oft für Filmkritiker.innen die Zukunft des Kinos von der 35mm-Vergangenheit her gedacht wird. Angesichts der erfreulichen Bandbreite von Alter, Werdegängen und Konzepten der Bewerber.innen hätten wir gerne mehrere Stipendien vergeben.
Die eingereichten Arbeiten überzeugten durch hohes Niveau, das umso überraschender ist angesichts der immer schwieriger werdenden beruflichen Aussichten und finanziellen Situation von Filmkritiker.innen.

Die Auslobung des Siegfried Kracauer Preises ist eine Initiative der MFG Filmförderung Baden-Württemberg, um die deutsche Kinolandschaft zu stärken, der sich die Film- und Medienstiftung NRW angeschlossen hat. Beide Institutionen sehen in der Filmkritik einen wichtigen Faktor für den langfristigen Bestand und die Weiterentwicklung einer vielfältigen Kinokultur. Insbesondere die mediale Rezeption und journalistische Rezension von Filmen erzeugt und bereichert jene Öffentlichkeit und Diskurse, die Filmtheater als Orte der Filmkultur bewahren.

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SIEGFRIED KRACAUER PREIS 2017 - JURY UND EINREICHUNGEN

Pressemitteilung vom 21. August 2017

Jury: Lola Randl, Manuela Stehr und Ekkehard Knörer | 80 Einreichungen für die „Beste Filmkritik“ und 15 Bewerber um das Jahresstipendium | Nominierungen werden Anfang September bekanntgegeben | Preisvergabe am 16. September 2017 

 

Bereits zum vierten Mal wird der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Siegfried Kracauer Preis verliehen, aufgeteilt in eine Auszeichnung für die Beste Filmkritik und ein Jahresstipendium. Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg und die Film- und Medienstiftung NRW richten den Preis in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik gemeinsam aus. Erstmals beteiligt ist das Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein. Im Rahmen der festlichen Preisverleihung des Festivals am 16. September 2017 wird die Auszeichnung überreicht.

Eine unabhängige Fachjury aus Vertretern der Sparten Regie, Filmverwertung und Kritik wird gemeinsam über den Siegfried Kracauer Preis befinden. Die Jury 2017 setzt sich zusammen aus der Filmregisseurin Lola Randl, der Produzentin und Vorstandsvorsitzenden X Verleih Manuela Stehr und dem Filmkritiker Ekkehard Knörer, Gewinner des Siegfried Kracauer Preises 2016.

Eingereicht wurden 80 Beiträge für den mit 3.000 Euro dotierten Preis für die Beste Filmkritik. Die Kritiken wurden den Juror.innen in anonymisierter Form übergeben. Am 1. September 2017 wird die Jury fünf der eingereichten Arbeiten nominieren. Der oder die Gewinnerin wird am Abend der Preisverleihung am 16. September 2017 beim Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein bekannt gegeben.

Für das mit 12.000 Euro ausgestattete Jahresstipendium zum Thema „Die Zukunft des Kinos“ haben sich 15 Filmkritiker.innen beworben. Wer das Stipendium erhält, werden die Juror.innen ebenfalls am 1. September 2017 entscheiden.

Medienpartner für die Veröffentlichungen der Texte, die im Rahmen des Stipendiums entstehen, ist der in Bonn ansässige FILMDIENST.


Auf der Internetseite www.siegfried-kracauer-preis.de stehen weitere Informationen bereit.


Ansprechpartner VdFK:
VdFK e.V.
Dunja Bialas
0179 28 40 279
kracauer@vdfk.de

Ansprechpartner Film- und Medienstiftung NRW
Tanja Güß
Tel.: 0211-93050-24
presse@filmstiftung.de

MFG Filmförderung Baden-Württemberg
Uwe Rosentreter
+49 (0)711 90715-407
rosentreter@mfg.de

Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein
Felix Neunzerling
office@zoommedienfabrik.de

ZUM TOD DES VIENNALE-DIREKTORS HANS HURCH (18.12.1952-23.07.2017)

Am Montag erreichte uns die traurige Nachricht vom überraschenden Tod von Hans Hurch in Rom. Der Verband der Deutschen Filmkritik e.V. trauert mit seinen Angehörigen, Freunden, mit dem Team der Viennale und vielen Weggefährten in der internationalen Filmszene.

Der Tod von Hans Hurch ist ein Verlust für uns alle. Wir verneigen uns in der Erinnerung an einen bedeutenden Kurator, Programmmacher und Festivaldirektor, an einen Kritikerkollegen von Rang und an einen wichtigen Impulsgeber weit über Wien hinaus.

 

Auch für seine deutschen Kollegen und den Verband der Deutschen Filmkritik e.V. war Hans Hurch ein kluger Ratgeber und eindrucksvolles Vorbild, vor allem aber ein Freund.

Er zeigte beispielhaft, dass Enthusiasmus für das Kino und Lust an der Debatte Hand in Hand gehen, dass Unterscheidungsvermögen, Klarheit des Urteils und Bereitschaft zum Streit unerlässlich sind, um Standpunkte deutlich zu machen, und das Nachdenken über das Kino weiterzuführen.

 

Wir schätzten Hans Hurch auch als einen harten, aber immer produktiv herausfordernden Kritiker der Filmkritik und des Festivalbetriebs. Er befand in der Position, genau da deutlicher zu werden, als es den allermeisten Kollegen möglich ist. Wenn er an konkreten Beispielen den „Zynismus“ mancher Festivalmacher kritisierte, wenn er zeitgenössische Kritiker als „Sklavenseelen“ und „Parkplatzsherrifs“ kritisierte, war hinter solchen Worten immer die Sehnsucht spürbar nach einer Kritik und nach Filmen, die ein Gegenentwurf und eine Herausforderung für das Bestehende sind.

 

Der vom VdFk 2015 erstmals parallel zur Berlinale veranstalteten „Woche der Kritik“ war Hans Hurch von Anfang an ein in freundschaftlicher Sympathie zugetaner Wegbegleiter. Sehr gern erinnern wir uns an seine Teilnahme bei einem unserer Debatten-Panel 2015 – es ist keinesfalls Zufall, dass es gerade das Thema „Provokation“ unter jenen sieben Leitmotiven war, das Hans Hurch besonderes Interesse weckte.

 

Hans Hurchs Leidenschaft galt immer dem Kino und noch mehr den Menschen, die es ermöglichten.

 

Vorstand und Beirat

 

 

 

 

 

 

Monarch in der Demokratie

Zum Tode des Dokumentarfilmers, Filmkritikers und Festivaldirektors Hans Hurch

Von Rüdiger Suchsland

 

Einprägsam war seine Erscheinung: Groß, kräftig, mit schwarzem, allmählich von ein paar grauen Strähnen durchzogenen Vollbart - seit vielen Jahren war Hans Hurch eine unverwechselbare Figur in der internationalen Filmszene. Oft trug er einen langen schwarzen Mantel, der einer Kutte nicht unähnlich war, und ihn mitunter wie den Jünger eines seltsamen Mönchs-Ordens wirken ließ. Aber wenn es überhaupt eine Religion gab, der Hans Hurch anhing, dann war es der Glaube ans Kino und auch hier war er eher ein Apostat, ein Abtrünniger, einer, der zwar für vieles ein offenes Herz hatte, aber nur die eine Überzeugung: Dass immer das unabhängigste Urteil das beste ist. Skepsis gegenüber festgefahrenen Ansichten, Abneigung gegenüber Schulen, gerade den anerkanntesten, ob sie nun Nouvelle Vague oder Berliner Schule heißen, und die Lust am produktiven Dissens prägten das Gespräch mit ihm. Diese Haltung konnte man erleben, wenn man mit Hurch kurz nach einer Festivalvorführung ein paar Worte wechselte - mehr als zwei, drei Sätze waren es kaum, dann musste er weiter. Aber sie sagten oft alles, und es war ihnen schwer zu widersprechen, manchmal apodiktisch hart, manchmal eher anschmiegend, überzeugen wollend.

 

Aber es war auch nicht weiter schlimm, wenn man die Dinge ganz anders sah, als er. „Ja, wenn Du das so siehst...“ war dann seine tolerante Haltung, wenn er sicher war, dass der andere auch gute Gründe hatte. Nur wenn einer gar nichts dachte, nicht Fisch, nicht Fleisch war, reagierte er unwirsch. Neugier und Unterscheidungsvermögen war es, worauf er Wert legte.

 

Hurchs offene, zugleich von prägnantem, unbestechlichen Urteil bestimmte Herangehensweise kennzeichnete auch das Programm der VIENNALE, der Hans Hurch seit 1997 als Direktor vorstand. Es gab dort viel Kollegialität, aber keine Auswahlkommission - ganz offen stand Hurch dazu, dass er das Programm vollkommen allein entschied: „In der Kunst ist Demokratie fehl am Platz.“ Mit dieser nicht bei allen unumstrittenen Position und seinem Enthusiasmus hatte er großen Erfolg, und machte die Viennale zum wichtigsten europäischen Filmfestival neben den großen A-Festivals, zu einem Ort für die Filmemacher, der unglaublich gastfreundlich und dabei vollkommen unabhängig von allem Taktieren, allem Anbiedern an Branchen- oder Publikumswünsche war.

 

2015 war sein Vertrag noch einmal verlängert worden, bis 2018. Dann sollte endgültig Schluss sein - es reiche dann auch mal, und er wolle noch ein paar andere Dinge machen, versicherte Hurch erst vor ein paar Wochen in Cannes.

 

1952 in Nordösterreich geboren, auf dem Land aufgewachsen, kam Hurch nach Wien, um Kunstgeschichte, Philosophie, Soziologie und Psychologie zu studieren, und um intensiv das Filmmuseum zu besuchen. Seit Mitte der 70er Jahr schrieb er für den „Falter“, wo er eine exzellente Filmredaktion aufbaute, danach drehte er ein paar Dokumentarfilme und arbeitete zweimal auch als Assistent für den von ihm verehrten Jean-Marie Straub. Dann kuratierte er 1995 das Projekt „hundertjahrekino“, das in Österreich vor allem die Filmbildung stark beeinflusste.

 

Aus deutscher Sicht erschien Hans Hurch als typischer Wiener - großzügig und humanistisch im Konkreten, immer an der direkten Begegnung interessiert, dabei zugleich immer bereit zum charmanten Schimpfen, voller Lust am Schmäh und der Provokation, politisch und künstlerisch unerbittlich und oft unbequem in seiner Offenheit. Das konnte man auch in Berlin erleben, wo er die Gründung der unabhängigen „Woche der Kritik“ parallel zur Berlinale unterstützte, und genervt von deutscher Harmonieseligkeit mit seiner Ansicht nicht hinter dem Berg hielt, dass ein gutes Festival nicht „das Publikum als Legitimation für alles nehmen“ dürfe, das die nur in Berlin beliebte Formel vom Publikumsfestival „eigentlich zynisch“ sei. „Supermarkt sozusagen“.

 

Am Sonntag ist Hans Hurch in Rom überraschend an Herzversagen gestorben. Hurchs enthusiastisches Eintreten für das Autorenkino wird hoffentlich nicht nur in der Viennale weiter wirken.

 

Der Text ist eine abgewandelte Form des Nachrufs von Rüdiger Suchsland für die „Berliner Zeitung“. Wir danken dem Autoren für die freundliche Abdruckgenehmigung.

AUSSCHREIBUNG SIEGFRIED KRACAUER PREIS 2017 € FESTIVAL DES DEUTSCHEN FILMS LUDWIGSHAFEN AM RHEIN NEUER PARTNER

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFK), die MFG Filmförderung Baden-Württemberg und die Film- und Medienstiftung NRW schreiben erstmals den insgesamt mit 15.000 Euro dotierten Preis für Filmkritik zusammen mit dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein aus, das als zusätzlicher Preispartner gewonnen werden konnte.

 

Die nach dem herausragenden Filmtheoretiker Siegfried Kracauer benannte Auszeichnung wird im Rahmen der Preisverleihung des Festivals am 16. September 2017 in Ludwigshafen verliehen.

Ab sofort können sich Autorinnen und Autoren um zwei Auszeichnungen bewerben: den mit 3.000 Euro dotierten Preis für die Beste Filmkritik und um ein einjähriges Stipendium. Dieses Stipendium ist mit 12.000 Euro dotiert und eröffnet der Stipendiatin oder dem Stipendiaten die Möglichkeit, sich in dieser Zeit umfassenden Recherchen für eine Essay-Reihe zum Thema „Zukunft des Kinos“ zu widmen. Das Stipendium wird eine mehrteilige Essayreihe sowie das regelmäßige Schreiben eines Blogs ermöglichen.

Medienpartner für die Publikation der im Rahmen des Stipendiums verfassten Texte ist wieder das renommierte Filmmagazin „FILMDIENST“, das die Essayreihe im neuen Webauftritt www.filmdienst.de veröffentlichen wird. Zusätzlich ist ein eigener Blog eingerichtet.

Bewerbungsschluss ist der 14. Juli 2017 (Eingang beim VdFK). Eine unabhängige Jury, die gemeinsam von den Preispartnern berufen wird, bewertet die eingereichten Bewerbungen für die Kategorie Beste Filmkritik des Jahres 2017, die sie in anonymisierter Form vorgelegt bekommt.

Mit der Verleihung des Siegfried Kracauer Preises verbinden die Preisstifter die Stärkung der Rolle der Kritik in der deutschen Film-, Kino- und Medienlandschaft als einen wichtigen Faktor, um Positionen zu den zukünftigen Herausforderungen bei der Rezeption von Film zu finden. Denn die mediale Präsenz und journalistische Rezension von Filmen schafft jene Öffentlichkeit, die Voraussetzung dafür ist, die Filmtheater als Ort der Unterhaltung und der Kultur zu bewahren und die audiovisuellen Medien nicht nur sich selbst und der Ökonomie zu überlassen. Zudem liefert die Filmkritik Orientierung wie auch Interpretationsansätze und unterstützt die Einordnung in den gesellschaftlichen Rahmen.

Unter der Internetseite http://www.siegfried-kracauer-preis.de stehen weitere Informationen zur Verfügung.

Ansprechpartner VdFK:
VdFK e.V.
Dunja Bialas
0179 28 40 279
kracaur@vdfk.de

Ansprechpartner Film- und Medienstiftung NRW
Tanja Güß
Tel.: 0211-93050-24
presse@filmstiftung.de

MFG Filmförderung Baden-Württemberg
Uwe Rosentreter
+49 (0)711 90715-407
rosentreter@mfg.de

Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein
Felix Neunzerling
office@zoommedienfabrik.de

VERANSTALTUNG: DAZU DEN SATAN ZWINGEN (FILM UND DEBATTE)

Datum: Di, 6. Juni 2017,
Uhrzeit: 19 Uhr,
Ort: Akademie der Künste (Black Box) am Pariser Platz

Ein Film wie ein Flugblatt, ein Abend in diesem Geiste!
"Offensiv Experimentell", eine studentische Initiative der HFBK Hamburg, setzt sich kritisch und filmisch mit den Produktionsbedingungen der Film- und Fernsehlandschaft in Deutschland auseinander.
Kommende Woche präsentiert "Offensiv Experimentell" den Kollektiv- und Protestfilm „Dazu den Satan zwingen“ - ein operatives Portrait des Ex-Staatsanwaltes, Filmkritikers und Schauspielers Dietrich Kuhlbrodt.

Im Anschluss: Podiumsgespräch mit Dietrich Kuhlbrodt, Elena Friedrich, Robert Bramkamp, Frédéric Jaeger und Georg Seeßlen.

Die Veranstaltung findet statt in der Reihe "Mitglieder präsentieren". Zwei Preisträgerinnen für den Preis der deutschen Filmkritik 2016 sind an dem Event beteiligt: Die Ehrenpreisträgerin Helke Misselwitz wird die Einführung halten, die Gewinnerin in der Kategorie Kurzfilm, Sarah Drath, übernimmt eine Rolle im Film.

Unterstützt wird die Veranstaltung von der Woche der Kritik Berlin, der HFBK Hamburg und der HAW Hamburg.

Näheres zum Programm finden Sie hier:
Akademie der Künste, Berlin - Programm
Facebook Event: Dazu den Satan zwingen


Eintrittspreis normal: 4 bzw. 6 €


PressevertreterInnen können sich für Freikarten (es gibt ein Kontigent von 20 Karten bisher) direkt an die Presseabteilung der Akademie der Künste wenden: presse@adk.de

 

 

EMAF-MEDIENKUNSTPREIS DER DEUTSCHEN FILMKRITIK (VDFK) FüR DAS GESTELL VON PHILIP WIDMANN

Die Jury bestehend aus Ekkehard Knörer (Filmkritiker und Publizist, Berlin), Conny E. Voester (freie Kuratorin und Projektmanagerin, Berlin/Basel) und Insa Wiese (Leiterin der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg) hat auf dem European Media Art Festival den Film "Das Gestell" von Philip Widmann mit dem Medienpreis der Deutschen Filmkritik ausgezeichnet.

Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:

Ein deutscher Filmemacher geht nach Kyoto und trifft dort auf eine Gruppe japanischer Philosophen, die sich an der Übersetzung von Heideggers Technikphilosophie versuchen. Der Filmemacher beginnt sich selbst mit Heidegger zu befassen. 16mm-Aufnahmen, die er von Wasser und Wald, Stadt und Menschen macht, nehmen Kontakt auf mit Heideggers Biografie und seiner Philosophie. In geschriebener Form, als Untertitel, kommen Notizen zu Geschichte, aber auch die Gedanken der Philosophen ins Bild: der eine Moment, in dem die Philosophen hörbar nach der richtigen Übersetzung für Heideggers Sprache suchen, fällt umso stärker heraus. Wir geben den Preis an Philip Widmans Film "Das Gestell", der eine Begegnung zwischen Wörtern, Welten, zwischen Bildern und Klängen auf kluge, komplexe und indirekte Weise ins Bild setzt.

Vor der Verleihung des mit 1.000 Euro dotierten Preises verlas Conny E. Voester eine Erklärung der Jury. Sie erinnerte an das Schicksal ihrer Kolleginnen und Kollegen, die nicht nur in ihrer Arbeit behindert sondern inhaftiert oder sogar mit dem Tod bedroht werden, wie derzeit etwa in der Türkei. „Wir fordern weiterhin mit Nachdruck die Freilassung von Deniz Yücel sowie aller inhaftierter Journalisten“, sagte Voester unter Applaus bei der Preisverleihung des 30. European Media Art Festivals in Osnabrück.

13. ACHTUNG BERLIN - PREIS DER DEUTSCHEN FILMKRITIK FüR VANATOARE

13. ACHTUNG BERLIN - New Berlin Film Award (19. bis 26. April 2017)

Der undotierte Preis des Verbands der deutschen Filmkritik (VdFK) in der Kategorie Bester Spielfilm ging in diesem Jahr an


VANATOARE von Alexandra Balteanu


D 2016,  74 Min / Regie Alexandra Balteanu Darsteller/innen Corina Moise, Iulia Lumânare, Iulia Ciochin, Sergiu Costache, Drago Olaru Buch Xandra Popscu, Alexandra Balteanu Kamera Matan Radin Schnitt Antonella Sarubbi Ton Tobias Mahlstedt Musik Nimrod Gilboa Producer Stanislav Danylyshyn Produktion Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb)

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Jurybegründung:

Das Drama des Lebens undramatisch dargestellt, das zeichnet diesen Film aus. Mit einem genauen Blick hält er ein verbotenes Milieu fest, das am Rande der Gesellschaft angesiedelt ist. Er erklärt nicht, er zeigt mit dokumentarischer Genauigkeit, wie drei Frauen als Sexarbeiterinnen an der Straße versuchen, ihr Überleben zu realisieren. Ein inszenierter Film in realer Umgebung, Dialoge, die Alltagsprache in ihrer Oberflächlichkeit bewusst machen; ein Film, der in seiner unsentimentalen, präzisen Selbstverständlichkeit berührt.

 

Den Trailer zum Film finden Sie hier.

 

 

Eine Lobende Erwähnung erhält:

LASS DEN SOMMER NIE WIEDER KOMMEN (Regie: Alexandre Koberidze)

Jurybegründung:

Dieser Film ist eine Zumutung; eine Attacke auf unsere Sehgewohnheiten; eine Herausforderung. Mit der Handy-Kamera produziert der Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Cutter Alexandre Koberidze Bilder, wie wir sie so noch nie im Kino gesehen haben, eine neue optische Ästhetik, eine neue Form des Erzählens, die die Zuschauenden zu Beobachtenden macht, die ihren Weg suchen im Dschungel der Bilder. „Lass den Sommer nie wieder kommen“ ist ein im besten Sinne merkwürdiger Film. Und wahrlich Neues Kino.

 



Die diesjährige VdFk-Jury bestand aus Wilfried Reichart, Erika Richter und Sophie Charlotte Rieger.

 

Eine Übersicht aller Preise und Begründungen finden Sie hier.
 

ZUR NEUBESETZUNG DER BERLINALE-DIREKTION: AUSSCHREIBUNG UND FINDUNGSKOMMISSION GEFORDERT

Mit der Berlinale 2019 läuft der Vertrag des aktuellen Berlinale-Direktors aus. In den vergangenen Tagen berichteten Berliner Medien übereinstimmend, zurzeit werde über eine mögliche Neu-Besetzung des Postens verhandelt.

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) begrüßt die Absicht der kulturpolitisch Verantwortlichen zu einem Neuanfang in der Leitung der Berlinale.

Die Neubesetzung der Direktion des wichtigsten deutschen Filmfestivals bietet die seltene Möglichkeit, die Diskussion über die Zukunft der Berlinale zu öffnen. Eine ideale Gelegenheit, durch die Einbeziehung verschiedenster Gruppen, die sich für die Filmkultur in Deutschland und der Welt engagieren, das künstlerische Profil der Berlinale zu schärfen und ihre Verankerung in der internationalen wie nationalen Filmszene zu verbessern.

Daher sollte eine solche Diskussion ohne Zeitdruck und nach einem für die Öffentlichkeit transparenten Verfahren geführt werden.
Zudem wäre es wünschenswert, die Kriterien zu überprüfen, nach denen die Berlinale-Direktion besetzt wird: Ist ihr aktueller Zuschnitt noch zukunftstauglich? Andere Filmfestivals wie Cannes, Venedig oder Locarno zeigen, dass eine Aufteilung der Direktion in eine künstlerische Leitung mit entsprechend cinephiler Bildung und eine Geschäftsführung erfolgsversprechend sein kann.

Die Fragen, was eine gute Berlinale-Direktion ausmacht und worin die Aufgabe einer Institution wie der Berlinale in Zukunft besteht, verdienen eine offene und vielstimmige Diskussion und könnten den handelnden Kulturpolitikerinnen und -politikern wie der kritischen Öffentlichkeit unerwartete Perspektiven aufzeigen. Einer solchen Chance darf man sich nicht ohne Not verschließen.

Daher schlagen wir den Verantwortlichen ein offenes, internationales Ausschreibeverfahren mit nicht zu eng gefassten Eignungskriterien und eine mit Expertinnen und Experten besetzte Findungskommission vor.

Wir erwarten, dass die Beauftrage der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Berliner Senatskanzlei in dieser Frage ihrer Verantwortung gerecht werden.

Vorstand und Beirat des Verbands der deutschen Filmkritik

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