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OFFENER BRIEF: ZEITSCHRIFT FILMDIENST VOR DEM AUS

Offener Brief an Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Zeitschrift Filmdienst vor dem Aus: Katholische Kirche darf ihr Engagement für die Filmkultur nicht aufgeben!

Wie dem Verband der deutschen Filmkritik jetzt von offizieller Seite bestätigt wurde, fährt die Katholische Kirche ihr Engagement für die Filmkultur drastisch zurück. Sie beabsichtigt, den Filmdienst, die kirchlich finanzierte Fachzeitschrift für Film und zugleich älteste deutsche Zeitschrift für Filmkritik, einzustellen.

Die Katholische Filmkommission und der Verlag dreipunktdrei stellen in ihren Schreiben an den Verband der deutschen Filmkritik einvernehmlich fest, dass es angesichts der Mittelkürzung durch die Kirche keine wirtschaftliche Möglichkeit gäbe, die Printpublikation fortzuführen. Über einen künftigen Webauftritt, der die filmkritischen Inhalte in verringertem Umfang bereithalten soll, werde derzeit nachgedacht. Mit einer Entscheidung sei Ende November zu rechnen.

Bereits zum Juli dieses Jahres war der freie Verkauf des Filmdienst eingestellt worden, was vom Verband der deutschen Filmkritik als ein beunruhigendes Signal für die bevorstehende Entwicklung gedeutet wurde. Gesellschaftskritische, umfassende und verantwortungsvolle Filmpublizistik befindet sich damit in gravierender Weise auf dem Rückzug.

Wir appellieren an die Katholische Kirche, die Bewegtbilder nicht leichtfertig der von ökonomischen Aspekten geleiteten Filmverwertung zu überlassen und sich weiterhin engagiert, filmhistorisch und ästhetisch kompetent zu äußern. Es ist mehr als fahrlässig, die Bedeutung des Films in Zeiten der Allgegenwärtigkeit von Bewegtbildern geringzuschätzen und deren fachkundige Besprechung preiszugeben.

Wir erwarten von der Katholischen Kirche, dass sie sich als wichtige Akteurin der Zivilgesellschaft zum Engagement für die Filmkultur bekennt. Wir sind der Überzeugung, dass eine Printzeitschrift viele Vorteile in Reichweite und Nachhaltigkeit birgt und rufen die Katholische Kirche dazu auf, ihre verantwortungsvolle Rolle als Impulsgeber für den gesellschaftlichen Diskurs mit relevanten Texten zu Film und Kino auch in Zukunft ernst zu nehmen und in vollem inhaltlichen Umfang der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Vorstand des Verbands der deutschen Filmkritik

Dunja Bialas
Frédéric Jaeger
Dennis Vetter
Florian Vollmers

NOMINIERUNGEN FüR DEN SIEGFRIED KRACAUER PREIS 2016 STEHEN FEST

Filmkritiken aus Welt, Zeit Online, Perlentaucher, Cargo und critic.de wurden für den Siegfried Kracauer Preis 2016 nominiert. Der Preis wird am 9. November 2016 im Rahmen des Film- und Kinokongresses und des Kinoprogrammpreises NRW verliehen.

Bereits zum dritten Mal wird der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Siegfried Kracauer Preis für die Beste Filmkritik und ein Jahresstipendium verliehen. Der Preis wird erstmals gemeinsam von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und der Film- und Medienstiftung NRW in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik ausgerichtet. Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und
Medienstiftung NRW wird die Auszeichnung gemeinsam mit dem Geschäftsführer der MFG, Prof. Carl Bergengruen, am 9. November 2016 in Köln überreichen. Die festliche Verleihung findet im Rahmen des Film- und Kinokongresses und des Kinoprogrammpreises NRW statt.

Eine dreiköpfige unabhängige Fachjury, zusammengesetzt aus Vertretern der Sparten Filmproduktion, Filmverwertung und Filmkritik, beschied in einer gemeinsamen Sitzung über die Preisvergabe. Die Jury bestand 2016 aus Barbara Albert, österreichische Regisseurin, Autorin und Produzentin, Joachim Kühn, Geschäftsführer von Real Fiction Filmverleih und Kinobetreiber, und Sven von Reden, freier Filmkritiker und Stipendiat des Siegfried Kracauer Preises 2015.

Nach einer anonymen Auswertung von 69 eingereichten Filmkritiken wurden fünf Nominierte bestimmt, die nun auf der Shortlist für den mit 3.000 Euro dotierten Preis für die Beste Filmkritik stehen. Zudem entschied die Jury in einem transparenten Auswahlverfahren über die Vergabe des mit 12.000 Euro ausgestatteten Jahresstipendiums, für das sich 19 Filmkritiker/innen beworben hatten, und das geknüpft ist an die Veröffentlichung einer Artikelserie zum Thema „Zukunft des Kinos“ sowie das Verfassen regelmäßiger Blogbeiträge.
Die fünf Nominierten für die Beste Filmkritik 2016 sind:

  • Thomas Groh mit dem Text „Alles auf Null“, erschienen im Perlentaucher im November 2015 (Filmkritik zu „Spectre“)
  • Till Kadritzke mit dem Text „Right Now, Wrong Then“, erschienen auf critic.de im Oktober 2015 (Filmkritik zu „Right Now, Wrong Then“)
  • Ekkehard Knörer mit dem Text „Außer sich“, erschienen in der Cargo im März 2016 (Filmkritik zu„Wild“)

Die Gewinner in beiden Kategorien werden bei der Preisverleihung bekannt gegeben. Die Jury hob hervor: „Bei den Stipendiumsbewerbungen waren wir besonders von der Qualität der Einreichungen junger Filmkritikerinnen und Filmkritiker beeindruckt. Hier wächst offensichtlich eine Generation nach, die sich mit Lust, Wissen und Engagement mit dem Kino und seiner Zukunft beschäftigt. Der Reiz, die Filmkritiken zu bewerten, lag unter anderem darin, dass sie pur vorlagen, ohne den Publikationskontext und ohne die Namen der Verfasser_innen. Das Lesen der Kritiken hat uns große Lust aufs Kino gemacht. Gerne hätten wir, dass die Filme auch im Kinoalltag größere Sichtbarkeit erfahren.“

Die Auslobung des Siegfried Kracauer Preises ist eine Initiative der MFG Filmförderung Baden-Württemberg, um die deutsche Kinolandschaft zu stärken, der sich in diesem Jahr die Film- und Medienstiftung NRW angeschlossen hat. Beide Institutionen sehen in der Filmkritik einen wichtigen Faktor für den langfristigen Bestand und die Weiterentwicklung einer vielfältigen Kinokultur. Insbesondere die mediale Rezeption und journalistische Rezension von Filmen erzeugt und bereichert jene Öffentlichkeit und Diskurse, die Filmtheater als Orte der Filmkultur bewahren.

Hier finden Sie die Pressemitteilung als pdf. Auf der Internetseite http://www.siegfried-kracauer-preis.de stehen weitere Informationen bereit.

Ansprechpartner VdFK:
VdFK e.V.
Dunja Bialas
0179 28 40 279
kracauer@vdfk.de

Ansprechpartner Film- und Medienstiftung NRW, Erna Kiefer, +49 (0)211 9305022, ernakiefer@filmstiftung.de, und MFG Filmförderung Baden-Württemberg, Uwe Rosentreter, +49 (0)711 90715-407, rosentreter@mfg.de

KEIN WEITERER AUFSCHUB FüR DIE SICHERUNG DES FILMERBES

Stellungnahme des Verbands der deutschen Filmkritik zur öffentlichen Anhörung im Deutschen Bundestag zum Antrag „Nachhaltige Bewahrung, Sicherung und Zugänglichkeit des deutschen Filmerbes gewährleisten

Der Verband der deutschen Filmkritik beobachtet mit großer Sorge und zunehmendem Befremden, dass die Bundesregierung die dringend notwendigen Investitionen in die Sicherung und die Sichtbarkeit des deutschen Filmerbes immer weiter verschiebt. Der Deutsche Bundestag darf diese Verzögerung durch die Bundesregierung nicht länger unterstützen.

Das Filmerbe zu erschließen, zu sichern und verfügbar zu machen sind zentrale Aufgaben im Sinne eines kulturellen Geschichtsbewusstseins. Aufgrund der Fragilität des Materials und der bisherigen Mangelwirtschaft dulden sie keinen weiteren Aufschub.

Als Verband der deutschen Filmkritik unterstützen wir mit Nachdruck die Bemühungen, für diese weitreichenden Aufgaben eine Verständigung der Bundesregierung mit den Bundesländern und der Filmbranche herbeizuführen. Angesichts der gesamtstaatlichen Bedeutung des Filmerbes liegt die primäre Verantwortung dafür aber beim Bund. Dieser Verantwortung wird die Bundesregierung bisher nicht gerecht.

Solange eine Einigung zwischen Bund und Ländern nicht zustande kommt, muss die Bundesregierung mindestens die in ihre Zuständigkeit fallende institutionelle Ausstattung der Filmarchive und Kinematheken in ausreichendem Maße gewährleisten. Davon kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Rede sein.

Es ist verständlich und notwendig, dass bei den Bemühungen um das Filmerbe die Digitalisierung aktuell im Zentrum steht. Eine Sichtbarkeit der Vielfalt der deutschen Filmgeschichte ist mittelfristig nur möglich, wenn möglichst umfangreiche Bestände digitalisiert werden.

Die Digitalisierung des Filmerbes darf allerdings nicht wie bisher vorrangig unter Gesichtspunkten der Vermarktbarkeit erfolgen, sondern muss darauf abzielen, die Vielfältigkeit der Produktionsformen abzubilden. Film war und ist gleichermaßen Kunstwerk, Ware, Werbemedium, historische Quelle und Arbeitsmedium. Nur mit diesem umfassenden Verständnis von Film lässt sich gewährleisten, dass das Filmerbe Teil einer allgemeinen Öffentlichkeit werden kann.

Um diese Bandbreite des Filmerbes öffentlich zu vermitteln, braucht es eine Bündelung der bisherigen Anstrengungen vor allem in Bezug auf die Vermittlung und Sichtbarmachung der Filme. Die Sichtbarkeit der bisherigen Anstrengungen wird durch die Aufsplittung in einzelne Projekte deutlich gemindert.

Neben der Digitalisierung muss der Umgang mit analogem Filmmaterial neu evaluiert werden. Erfreulicherweise ist in beträchtlichen Teilen einer interessierten Öffentlichkeit ein neues Interesse der Vorführung analoger Filme entstanden. Der performative Aspekt analoger Filmvorführungen zieht ein immer größeres Publikum an, das Interesse für die technischen Veränderungen zwischen analogem und digitalem Film wächst. Paradoxerweise eröffnet der Kontrast zu digitalen Filmen neue Zugänge zum analogen Film.

Gemeinsam mit der gesamten Filmkultur befindet sich das Filmerbe im Umbruch. Es gehört zu den Wesenseigenschaften des Filmerbes, dass es unter den Produktionsbedingungen der Vergangenheit entstanden ist. Die technischen Bedingungen der Entstehungszeit haben sich in die Filme sichtbar und hörbar eingeschrieben. Oft basieren die ästhetischen Erwägungen der Filme auf den technischen Bedingungen und sind untrennbar mit ihrem Trägermaterial verbunden.

Deutsche Archive haben sich gegenüber der ersten Hälfte der Filmgeschichte, die größtenteils auf Nitratfilm vorhanden ist, bisher fahrlässig verhalten. Originale wurden nach der Digitalisierung vernichtet oder an ausländische Archive unter der Hand abgegeben. Dabei hat erst unlängst die Leiterin der Restaurierungsabteilung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung am Beispiel des vernichteten Kameranegativs von Josef von Bákys Münchhausen von 1943 ausgeführt, welche unwiederbringlichen Verluste durch die bisherige Politik entstanden sind.

Die Fortführung und Bewahrung der analogen Filmkultur gehört zum internationalen common sense. Martin Scorsese und weitere Hollywoodgrößen sichern, restaurieren und verbreiten mit The Film Foundation und dem World Cinema Project seit über 25 Jahren analoges Filmmaterial von Klassikern und nichtbeachteten Filmen des Weltkinos. Das Beharren auf analogem Film durch Regisseure wie Quentin Tarantino und Christopher Nolan hat unterdessen zu einer Revision der vor einigen Jahren breit rezipierten Aufgabe des analogen Films im regulären Kinobetrieb geführt.

Länder wie Schweden verfolgen einen dualen Ansatz und betreiben neben der Digitalisierung die Pflege des analogen Films. Österreich und die Niederlande haben für die Sicherung des analogen Films Kopierwerke erworben. Der Kauf des Kopierwerks durch das österreichische Bundeskanzleramt hat explizit zum Ziel, die Geschichte des österreichischen Experimentalfilms langfristig sichtbar zu halten. Auch das niederländische Filmarchiv eye hat zur Sicherung seiner Bestände ein Kopierwerk erstanden.

Der Verband der deutschen Filmkritik fordert den Deutschen Bundestag daher auf,  das deutsche Filmerbe in dieser Phase der Transformation nicht auf halbem Weg zu blockieren. Derzeit wird ihm weder der Weg in eine breite digitale Zukunft eröffnet, noch werden die Zugänge zu seiner analogen Geschichte ausreichend erhalten.

 

Für eine gesicherte Zukunft des deutschen Filmerbes fordern wir:

  • eine langfristige Finanzierung einer breiten Digitalisierung des deutschen Filmerbes durch den Bund und die Länder. Die im FFA-Gutachten von PricewaterhouseCoopers genannte Summe von 10 Millionen EUR ist dabei als nicht zu unterschreitendes Minimum zu betrachten. Diese finanzielle Grundlage ist notwendig, um das Wissen von Fachleuten und die technische Infrastruktur sowie deren Weiterentwicklung zu sichern.

  • eine deutliche Aufstockung der finanziellen, personellen, technischen und räumlichen Ausstattung deutscher Filmarchive. Die Filmarchive der Bundesrepublik müssen in die Lage versetzt werden, neben der Sicherung des deutschen Filmerbes breiter als bisher auch eine Erschließung der digitalisierten Filmbestände für die Öffentlichkeit zu gewährleisten.

  • eine langfristige Strategie, um das Überleben auch von bislang in den deutschen Archiven nicht vorhandenen Teilen des Filmerbes sicherzustellen. So sind weite Teile der westdeutschen Filmproduktion der 1970er und 1980er Jahre bislang nur unzureichend in deutschen Archiven vertreten.

  • eine langfristige Sicherung aller derzeit in deutschen Filmarchiven erhaltenen analogen Filmmaterialien des deutschen Filmerbes und eine rechtlich verbindliche Anordnung der Filmarchive, die Vernichtung von Filmmaterialien zu unterlassen, sofern die analogen Kopien nicht tatsächlich nach internationalen Standards aufgrund ihres Zerfallzustands als Gefährdung einzustufen sind.

  • eine langfristige Sicherstellung und Bewahrung der analogen Filminfrastruktur in Deutschland, um die Begegnung mit dem Filmerbe auch zukünftig im ursprünglichen Vorführformat zu ermöglichen. Das gebietet auch der Respekt vor den künstlerischen Absichten und Entscheidungen der Urheber.

Vorstand und Beirat des Verbands der deutschen Filmkritik e.V.

Dunja Bialas
Frédéric Jaeger
Dennis Vetter
Florian Vollmers

Jennifer Borrmann
Peter Kremski
Claus Löser
Wilfried Reichart
Rüdiger Suchsland
Rudolf Worschech

AUFRUF DER INITIATIVE FILMERBE IN GEFAHR

Der Verband der deutschen Filmkritik unterstützt den folgenden Aufruf der Initiative Filmerbe in Gefahr an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages endlich die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das Filmerbe adäquat zu sichern und zugänglich zu machen:

 

An die Abgeordneten des Deutschen Bundestags.
Aufruf der Initiative "Filmerbe in Gefahr"

Die Große Koalition zwischen CDU, CSU und SPD bekannte sich in ihrem Koalitionsvertrag von November 2013 eindeutig zur dauerhaften Sicherung des nationalen Filmerbes. Sie versprach eine Digitalisierungsförderung durch den Bund und stellte entsprechende finanzielle Anstrengungen der Länder und der Filmwirtschaft in Aussicht. Sie sagte zu, die Stiftung Deutsche Kinemathek als eine der zentralen Einrichtungen zur Bewahrung und Zugänglichmachung des deutschen Filmerbes stärker als bisher zu unterstützen. Ebenso versicherte sie, auch das Bundesarchiv personell und finanziell zu stärken.

Trotz zahlreicher Appelle, Initiativen und Petitionen sind alle Versprechen und Versicherungen bis zum heutigen Tag uneingelöst:

  • Das Filmerbe ist weiter in Gefahr. Einerseits droht durch Alterungsprozesse, aber auch durch unbedachte Vernichtung der materielle Verlust von Archivfilmen. Andererseits verschwindet die deutsche Filmgeschichte immer mehr aus Kinos und Fernsehen, während für ihre digitale Sichtbarkeit zu wenig getan wird.
  • Die Digitalisierungsförderung des Bundes stagniert seit Jahren bei einer Million Euro für ausgewählte Mitglieder des Kinematheksverbundes.
  • Die Verhandlungen über eine Beteiligung der Länder und der Filmwirtschaft an der Digitalisierungsförderung kommen nicht voran.
  • Anstatt die Deutsche Kinemathek zu stärken, ist im Etat für 2017 eine Kürzung ihres Haushalts vorgesehen.
  • Mit der Schließung des dem Bundesarchiv-Filmarchiv angeschlossenen Kopierwerks wird eine der letzten analog arbeitenden Einrichtungen in Deutschland unter dem Druck ökonomischer Zwänge beseitigt. So werden vollendete Tatsachen geschaffen, bevor vom Kinematheksverbund eine Gesamtstrategie für die Sicherung des Filmerbes erarbeitet wurde.
  • Das Bundesarchiv-Filmarchiv wird nicht gestärkt. Vielmehr beschränkt es sich wegen der Sparzwänge ausschließlich auf die Digitalisierung, d.h. auf eine Technologie, die unter internationalen Experten als ungeeignet für eine dauerhafte Sicherung gilt, solange noch keine Langzeitmodelle zur Speicherung digitaler Daten existieren und die Digitalisate mithin dem Risiko des Datenverlusts und der schnellen Überalterung von Dateiformaten ausgesetzt sind.

 

Kulturstaatsministerin Dr. Monika Grütters erklärte jüngst die Digitalisierung des deutschen Filmerbes zur „Jahrhundertaufgabe“. Wir fordern die Politiker der Großen Koalition auf, sich dieser Jahrhundertaufgabe verantwortungsvoll zu stellen und die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags endlich umzusetzen.

Wir fordern:

  • die Schaffung eines dauerhaften und mit angemessenen Mitteln ausgestatteten Fonds für eine zweigleisige konservatorische Sicherungsstrategie, die sowohl die Herstellung langzeitstabiler analoger Sicherungskopien als auch die Herstellung und Archivierung digitaler Kopien erlaubt.
  • die Einrichtung einer zentralen Koordinierungsstelle, um die Fördermittel angemessen auf die Mitglieder des Kinematheksverbunds sowie auf weitere Archive mit Filmbeständen in Bund, Ländern und Kommunen und auf Privatarchive mit relevanten Beständen zu verteilen,
  • finanzielle Mittel für den Aufbau eines dringend benötigten Film-Gesamtkatalogs,
  • eine höhere finanzielle und personelle Ausstattung der Mitglieder des Kinematheksverbundes, damit sie die Funktionen einer zentralen deutschen Kinemathek und eines Filmarchivs erfüllen können,
  • die Bewahrung der analogen Kopiertechnik in Deutschland und einer entsprechenden technischen und fachlichen Infrastruktur.

http://www.filmerbe-in-gefahr.de

Aufruf als pdf.

 

Erstunterzeichner: Claudia von Alemann, Regisseurin / Dr. Dirk Alt, Historiker / Dr. Anna Bohn, Filmwissenschaftlerin / Prof. Norbert Grob, Filmwissenschaftler / Prof. Vinzenz Hediger, Filmwissenschaftler / Prof. Jan-Christopher Horak, Direktor des UCLA Film & Television Archive / Alexander Horwath, Direktor des Österreichischen Filmmuseums / Prof. Dietrich Leder, Medienwissenschaftler / Juliane Maria Lorenz, Präsidentin der Rainer Werner Fassbinder Foundation / Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste Berlin / Peter Nestler, Regisseur / Prof. Christine Noll Brinckmann, Filmwissenschaftlerin / Harald Petzold, MbB / Rosa von Praunheim, Regisseur / Edgar Reitz, Regisseur / Volker Schlöndorff, Regisseur / Wolfram Schütte, Publizist / Prof. Marcus Stiglegger, Filmwissenschaftler / Thomas Tode, Filmhistoriker / Bernd Upnmoor, Regisseur / Prof. Chris Wahl, Filmwissenschaftler / Alexander Zöller, Filmwissenschaftler 

VERANSTALTUNGSHINWEIS - PODIUMSDISKUSSION: WARTEN, BIS ES DUNKEL WIRD

Diskussionsveranstaltung im Kino Arsenal zur Filmkritik und zur Frage, was sie vor dem Hintergrund der sich wandelnden Medienlandschaft leisten kann. Die Veranstaltung findet anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) zum Thema "Kritik!" statt.

"Was heißt Filmkritik und was kann sie vor dem Hintergrund der sich wandelnden Medienlandschaft leisten? Anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM), die in diesem Jahr unter dem Thema "Kritik!" stattfindet, lädt das Seminar für Filmwissenschaft der FU Berlin zur Podiumsdiskussion ins Arsenal ein.

Die Kritiker_innen Frédéric Jaeger (critic.de, BZ, Der Freitag), Ekkehard Knörer (Cargo, Merkur, taz), Hannah Pilarczyk (SpOn, Missy Magazine, Neon) und Barbara Schweizerhof (epd, taz, Der Freitag) sprechen über Möglichkeiten und Bedingungen ihrer Zunft. Die Art und Weise, wie heute Medien in Medien besprochen werden können, ist im Umbruch. Was bedeutet die Verlagerung der Filmkritik ins Netz? Demokratisierung oder Clickbaiting? Wie positioniert sie sich zwischen Filmkritik-Blogs, Videokritiken und lebhaften Fankulturen?

Die Diskussion wird von Bert Rebhandl moderiert."

Text: cp, Kino Arsenal

 

am Do, 29.09.20.30 Uhr

Kino 1

Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.
Potsdamer Straße 2
10785 Berlin

NACHRUF AUF VOLKER GUNSKE

Unser langjähriges Mitglied Volker Gunske ist am 25. Mai verstorben.

Wir veröffentlichen einen Nachruf von Robert Weixlbaumer.

AUSSCHREIBUNG SIEGFRIED KRACAUER PREIS IN NEUER PARTNERSCHAFT

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFK), die MFG Filmförderung Baden-Württemberg und die Film- und Medienstiftung NRW schreiben den renommierten, mit 15.000 Euro dotierten Preis für Filmkritik erstmals gemeinsam aus.

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFK) und die MFG Filmförderung Baden-Württemberg konnten die Film- und Medienstiftung NRW als zusätzlichen Stifter für die Auslobung des Preises für deutsche Filmkritik gewinnen. Die nach dem herausragenden Filmtheoretiker Siegfried Kracauer benannte Auszeichnung wird im Rahmen des Film- und Kinokongress und des Kinoprogrammpreis NRW im November in Köln verliehen.

Ab sofort können sich Autorinnen und Autoren um zwei Auszeichnungen bewerben:
um den mit 3.000 Euro dotierten Preis für die Beste Filmkritik und um ein einjähriges Stipendium. Das Stipendium ist mit 12.000 Euro dotiert und eröffnet dem Preisträger die Möglichkeit, sich in dieser Zeit umfassenden Recherchen für eine Essay-Reihe zum Thema „Zukunft des Kinos“ zu widmen. Das Stipendium verpflichtet zu einer mehrteiligen Essayreihe sowie zum regelmäßigen Erstellen eines Blogs.

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EMAF-PREIS DER DEUTSCHEN FILMKRITIK FüR WOMAN WITHOUT MANDOLIN

Beim European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück 2016 hat die Jury des Verbands der deutschen Filmkritik Fabiano Mixos Film „Woman Without Mandolin“ (D, 4:47 Min) ausgezeichnet.

Der EMAF-Medienkunst-Preis der deutschen Filmkritik wird an eine herausragende deutsche Arbeit des Festivals vergeben und ist mit 1000 Euro dotiert.

 

Begründung:

Woman Without Mandolin zeigt uns das Portrait einer Frau – ein Portrait in Bewegung. Ein Gesicht und einen Körper durch die Zeit zerschnitten und geteilt - in der Zeit und durch die Zeit gefaltet. Dieser kunstvolle und poetische Film von Fabiano Mixo ist nicht nur inspiriert von der kubistischen Malerei und ihren Meistern, er ist vielmehr deren Aktualisierung durch die Möglichkeiten der Audiovisualität, durch die Montage, die für die Dauer eines Films unaufhörlich fragmentiert und neue Proportionen schafft.

Mit diesem Film zeigt Mixo, dass er eine klare Vorstellung vom Wesen der Filmkunst hat, von ihrer Möglichkeit, den Kubismus durch Bewegung und Zeit neu zu denken und neu zu öffnen. Er etabliert auch einen Blick auf den Menschen, dem nicht nur eine Perspektive gemäß sein kann und durch den sich der Mensch stets zeigt und gleichzeitig verbirgt. Durch dieses Verfahren und die intensive Präsenz seiner Darstellerin Miriam Goldschmidt wirft Mixos Film die ganz fundamentale Frage nach der Wahrnehmung und der Repräsentation des anderen Menschen auf.“

Die VDFK-Jury 2016: Lukas Stern, Carolin Weidner und Wilfried Hippen (vlnr) / Foto: Angela von Brill

Berlin/Osnabrück, 25.04.2016

DER NACHTMAHR MIT VDFK-PREIS BEI ACHTUNG BERLIN AUSGEZEICHNET

Beim Filmfestival Achtung Berlin wurde gestern Abend "Der Nachtmahr" mit dem Preis des Verbands der deutschen Filmkritik ausgezeichnet.

Der VDFK-Preis für einen Film aus dem Spielfilm-Wettbewerb von Achtung Berlin geht 2016 an "Der Nachtmahr" von Akiz. Eine Lobende Erwähnung ging an "Ferien" von Bernadette Knoller.

Produzent Simon Rühlemann mit Hauptdarstellerin Carolyn Genzkow / (c) achtung berlin 2016

Begründungen:

Gewinner: Der Nachtmahr von Akiz

Dieser Film fährt seinem Publikum direkt in die Eingeweide. Noch vor dem eigentlichen Beginn bereitet Regisseur Akiz mit durchaus ernstgemeinten Gesundheitswarnungen auf die Alptraumvisionen vor, die er auf sein Publikum loslässt. Ein Film wie auf Drogen: Mit rastloser Kamera, unbescheidenem und geschultem Stilwillen, einem angstfreien Traum vom deutschen Genrefilm, viel Verve und noch mehr inszenatorischer Euphorie zieht uns „Der Nachtmahr“ in seinen Bann. Ein Film, der sein Publikum ganz sicher spaltet - allerdings mit einer unbedingten Kompromisslosigkeit, die nachhaltig fasziniert und verstört. Eine Ausnahmeerscheinung. Eine Provokation. Ein Glücksgriff für das deutsche Kino.

Lobende Erwähnung für: Ferien von Bernadette Knoller 

Eine junge Frau, angehende Juristin, hört von einem Moment auf den anderen auf, im System zu funktionieren – und wird von ihren Eltern kurzerhand auf eine namenlose deutsche Insel verschifft. Was für ein Debütfilm! Zunächst mit abrupten Schnitten elliptisch erzählt, entführt uns Bernadette Knoller in ein vielerorts absurdes Universum, in dem niemand so richtig tickt – und genau das macht den Reiz dieses Aussteiger-Märchens aus. Mit trockenem Slapstick, viel Liebe zu seinen Figuren und einem surrealen Touch schickt dieser Film sein Publikum selbst in die Ferien - vom konventionellen Erzählen, von der Leistungslogik und von der unerträglichen Normalität des Seins.

 

Die dreiköpfige VDFK-Jury bestand 2016 aus den FilmkritikerInnen Toby Ashraf, Bettina Hirsch und Christoph Petersen.

Berlin, 21.04.2016

DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER GEWINNT PREIS DER DEUTSCHEN FILMKRITIK

Filmkritiker küren „Der Staat gegen Fritz Bauer“ zum besten Film des Jahres und ehren Produzent Joachim von Mengershausen für seine Verdienste um den deutschen Film.

 

Lars Kraumes Drama „Der Staat gegen Fritz Bauer“ über das Wirken des Nazi-Jägers Fritz Bauer im Nachkriegsdeutschland ist vom Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) als bester Spielfilm des Jahres 2015 ausgezeichnet worden. Hauptdarsteller Burghart Klaußner erhielt den Preis als bester Darsteller. Der VdFk hat am Montag, den 15. Februar 2016, den Preis der deutschen Filmkritik im Rahmen der Berlinale in 12 Kategorien vergeben. Dabei wurde Gerd Schneiders Drama „Verfehlung“ über einen Priester, der mit einem sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche konfrontiert wird, als bestes Spielfilmdebüt ausgezeichnet. Laura Tonke, die in „Hedi Schneider steckt fest“ eine Depressions-Patientin spielt, wurde als beste Darstellerin des Jahres geehrt. In gleich zwei Kategorien gewann Sebastian Schippers in einer einzigen Einstellung gedrehtes Berlin-Drama „Victoria“, sowohl Sturla Brandth Grøvlen für die beste Kamera als auch Nils Frahm für die beste Musik in „Victoria“ erhielten eine Auszeichnung. Auch Dietrich Brüggemanns Neonazi-Farce „Heil“ wurde zweimal gekürt: Die Auszeichnung für das beste Drehbuch ging an Dietrich Brüggemann, während Vincent Assmanns Leistung als Editor mit dem Preis für den besten Schnitt gewürdigt wurde.

Ekrem Ergüns „Hördur“ über ein Mädchen, das seine Leidenschaft für Pferde entdeckt, wurde als bester Kinderfilm des Jahres prämiert. Bester Dokumentarfilm ist Martin Gressmanns „Das Gelände“, der über Jahrzehnte ein Berliner Brachgelände beobachtet, auf dem während der NS-Diktatur das Gestapo-Hauptgebäude stand. Marko Mijatovics „Stadt der Elefefanten“ über eine ehemalige Bergarbeitersiedlung in Bosnien-Herzegowina wurde von den Filmkritikern als bester Kurzfilm des Jahres ausgezeichnet. Bester Experimentalfilm ist Alexandra Gerbaulets „Schicht“, der die persönliche Geschichte der Autorin mit der NS-Vergangenheit der Stadt Salzgitter verbindet.

Den Ehrenpreis vergaben die Filmkritiker an den früheren Redakteur und Produzenten Joachim von Mengershausen für seine Verdienste um den deutschen Film. Mit seinem Schaffen sind die Erfolge von Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder, Edgar Reitz, Peter Lilienthal und Rosa von Praunheim verbunden. „Wenn es Joachim von Mengershausen nicht gegeben hätte, wäre das Deutsche Kino erheblich ärmer gewesen“, sagte Wim Wenders, der die Arbeit Mengershausens im Rahmen der feierlichen Preisverleihung mit einer persönlichen Laudatio würdigte.

 

 

Als einziger deutscher Filmpreis, der ausschließlich von Kritikern vergeben wird, zeichnet der Preis der deutschen Filmkritik seit 1956 deutsche Filme aus, die nicht nach wirtschaftlichen, länderspezifischen oder politischen Kriterien bewertet werden, sondern ausschließlich nach künstlerischen. Erster Preisträger war vor sechzig Jahren Helmut Käutners „Der Hauptmann von Köpenick“. Über die Preisvergabe entscheiden mehrere Jurys, die aus Mitgliedern des Verbandes der deutschen Filmkritik bestehen.

Hier können Sie das Pressedossier herunterladen >>

 

 

 

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