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PODIUMSGESPRäCH - VON VERSTäRKERN UND STöRENFRIEDEN: DIE FILMKRITIK

Samstag, 27.09., Kino Arsenal, Berlin, 11 Uhr
mit Claudia Engelhardt (Filmmuseum München), Frédéric Jaeger (Verband der deutschen Filmkritik, critic.de), Ekkehard Knörer (Merkur, Cargo), Moderation: Rainer Rother
 
Das Gespräch findet im Rahmen des Kolloquiums und Kinderkolloquiums der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen "Für und mit Film werben" statt (26. und 27. September).
 
Nähere Informationen finden Sie im PDF-Format hier.

FLUGBATT FüR AKTIVISTISCHE FILMKRITIK: POSITIONEN

Positionen zum Flugblatt

Untenstehend finden sich erste Positionen zum FLUGBLATT FÜR AKTIVISTISCHE FILMKRITIK.
Mitdiskutieren & Unterzeichen via web@vdfk.de

Below we have collected first reactions towards the PAMPHLET FOR ACTIVIST FILM CRITICISM.
To participate & sign please contact web@vdfk.de 

 

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Thomas Rothschild - via E-Mail

>>Ich unterschreibe das Pamphlet für aktivistische Filmkritik, obwohl mir der folgende Satz in seiner Ausschließlichkeit missfällt:
Sie blickt neugierig auf das vermeintlich Profane, verteidigt das Lustvolle, verdammt das Abgeklärte. Sie negiert den Begriff einer „bloßen Unterhaltung". Film und Kritik dürfen Spaß machen.
Auch das Abgeklärte muss nicht immer verdammenswert sein. Und der Begriff der "bloßen Unterhaltung" soll wohl nicht negiert, sondern abgelehnt werden. Zudem bezweifelt niemand, dass Film und Kritik Spaß machen dürfen (im Gegenteil: genau das verlangen angepasste Redakteure). Die Frage ist, ob sie es müssen.<<

 

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Jürgen Kiontke - Jungle World

>>Tolle Sache! Jetzt fehlen nur noch die aktivistischen Filme dazu. Subversiv sollen sie sein, Lügen entlarven und die Automatismen außer Kraft setzen … Wär’ doch ein super Kinoprogramm.<<

Zum Artikel 

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Jörg van Bebber, Dropout Cinema - via Facebook

>>Die Programmkinobewegung war dereinst angetreten, alternatives Kino in all seinen Facetten sichtbar und erfahrbar zu machen. Irgendwann erstarrte das ganze zu Arthouse, einem Markt mit einförmigen Filmen, die auf ein gar nicht so experimentierfreudiges Arthouse-Kernpublikum zugeschnitten sind. Man muss schon einen Starregisseurnamen wie Lars von Trier vorweisen, um mal was Radikales in diesem Arthousemarkt unterzubekommen. Solange sich aber das Kinopublikum in Deutschland nicht ändert, wird es auch keinen anderen Arthouse-Markt geben. In Frankreich hat man ja z.b. ein sehr viel offeneres Publikum, hier hingegen ist der Homevideomarkt extrem stark, das Kino als Kulturinstitution hat nicht so einen hohen Wert.<<

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Thomas Falk, Kameramann - via Facebook

>>Inhaltlich ist das vollkommen richtig. Nur wäre es nötig, die Debatte mit Lesern zu führen, was ein kritischer Journalismus kosten darf.<<

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Christoph Hochhäusler, Revolver - via Facebook

>>Ein selbstbewusstes Manifest der deutschen Filmkritik – aus der Feder von Dunja Bialas, Jennifer Borrmann, Frédéric Jaeger, Claus Löser und Dennis Vetter - das sich bewusst in die Oberhausener Tradition stellt. Gefällt mir.<<

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Neuer deutscher Genrefilm - via Facebook

>>Der Verband der deutschen Filmkritik wehrt sich gegen den Verlust von Kunst durch die zunehmende Arthouse-Normierung des deutschen Kinos. Mehr Arthouse bedeutet weniger Kunst und weniger Vielfalt, das sehen wir ganz genauso. Ebenso, dass unter der Schablone "Arthouse" längst kaum noch etwas wirklich Mutiges und Kreatives stattfindet.<<

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Michael Jurich, Filmhaus Saarbrücken - via Facebook

>>Die Behauptungen dieses neuesten Oberhausener Manifestes sind wohl niemandem mehr eine nähere Überprüfung wert? Ja, Arthouse-Kino ist etwas anderes als Programmkino. Aber es deshalb gleich als Mainstream zu verunglimpfen? Heute kommen halt nicht mehr Scharen von Zuschauern in die Spätvorstellung mit Marx-Brothers-Filmen. Die Verleihlandschaft ist m.E. deutlich vielfältiger und bunter geworden als noch vor 20 Jahren. Digitale Technik sorgt dafür, dass Filme ins Kino gelangen, die damals not a snowflake's chance in hell gehabt hätten. Ja, das Repertoire ist weg, die Filmgeschichte. Deswegen sind auch keine großangelegten Retrospektiven mehr möglich (derzeit). Das schaffen nur noch die Festivals mit ihrem Etat und ihren Beziehungen. Und die Kritik? Das klingt jetzt weniger nach konkreter Rezension einzelner Filme oder gern auch von Strömungen / Tendenzen etc. als nach globaler Kulturschelte. Aber OK. Her damit, wir sind gespannt auf die neuen Aktivisten!<<

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Frédéric Jaeger - via critic.de

>>Das Folgenlose ist das Schlimmste, was man – politisch gedacht – dem Kino attestieren kann. Und es fasst wunderbar zusammen, was ich da wahrnehme, jenseits von Oberhausen, jenseits der Festivalinseln und einigen wenigen bemerkenswerten Initiativen. Und ich vernehme ein Rumoren. Ein sich im Netz formierendes Bewusstsein für die Limitierungen, denen der deutsche Kinomarkt unterworfen ist. Ich vermute, dass das Internet hier durchaus einen utopischen Raum öffnet, in dem das Bestehende, das scheinbar Unumgängliche des „Marktes“ nur noch eine leidige Option darstellt. Vielleicht ist es der Effekt einer Filterblase – wie man die Tendenz zu übereinstimmenden Meinungen im (sozialen) Internet nennt –, aber ob ich mich in Oberhausen unterhalte oder im Netz, ich bekomme den Eindruck, dass keiner mehr akzeptieren will, was uns hierzulande als Kino-Vielfalt verkauft wird. „Arthouse“ ist in meinen Kreisen zum Schimpfwort geworden, weil unter diesem Label einer Form von beruhigendem Wohlfühlkino immer mehr Platz in den Programmkinos eingeräumt wurde. Dieses Kino mag im Einzelfall erträglich oder gar gelungen sein, seine Dominanz schadet aber dem gesamten Sektor. Weil es das Experimentelle und das Überraschende verdrängt und weil es das Kino zu einer konfliktfreien Zone macht, in der jeder Diskurs verhindert wird.<<

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Thomas Klingenmaier - via Stuttgarter Zeitung

>>Freundliche Worte sind das nicht, mit denen da die deutsche Kinolandschaft und das Gros der deutschen Filmkritik gleich mit beschrieben werden. Von der „Unterwerfung unter Marktlogik, Zielgruppenrelevanz und politische Interessen“ ist da die Rede, von „ideeller Anpassung“, von der „Förderung von Unwissenheit“ und „Ablösung des eigenständigen Denkens durch Reflexe“. Die Zitate stammen aus einem „Flugblatt für aktivistische Filmkritik“, das am Rand der am Dienstag zu Ende gegangenen 60. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen entstanden ist.<<

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Rüdiger Suchsland - via artechock

>>Es gibt ein Papier, das nicht Manifest genannt werden will, sondern Flugblatt. Viel­leicht hat man sich da inspi­rieren lassen von den Papier­flie­gern, die bei den dies­jäh­rigen Ober­hau­sener Kurz­film­tagen über die Leinwand huschten. Mit Flug­blät­tern beginnen Refor­ma­tionen und Revo­lu­tionen und so wollen wir diesem Papier Glück wünschen auf seinem Flug durch die Szene. + + + Man kann es hier nachlesen und sollte es auch. Denn auch wer sich an manchen Unschärfen in Ausdruck, Ansicht und Stoß­rich­tung stört, oder den Begriff »Akti­vismus« doof findet, der wird doch zugeben müssen, dass die Ziel­rich­tung stimmt. Die wichtigen Probleme werden benannt: die Lüge des Prag­ma­tismus. Das zum Stammeln herun­ter­ge­kom­mene Reden über Film. Beklagt wird da ganz selbst­kri­tisch der Verfall der Kritik, ihre Zurich­tung auf Dienst­leis­tungen, ihre erzwun­gene Anpassung an Markt­ge­ge­ben­heiten. Der Markt hat aber nicht recht, sondern ist der Feind, das wird hier deutlich.<<

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Filmfest Osnabrück

>>Das Unabhängige FilmFest Osnabrück unterstützt den Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) bei seinem Aufruf gegen den zunehmenden Bedeutungsverlust von Filmkritik und unabhängigen Kinoprogrammen in Deutschland, der als “Flugblatt für aktivistische Filmkritik” auf den 60. Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen veröffentlicht worden ist. Darin mahnen die Filmkritiker, dass “Filmverleiher und Kinobetreiber in den letzten Jahrzehnten das Programmkino aufgegeben und es durch Arthouse ersetzt” haben. Ein alternatives Programm zum Mainstream gebe es fast nirgends mehr. “Mit dem Arthouse hat sich ein konventionelles und formelhaftes Kino durchgesetzt – unter dem Vorzeichen des angeblich guten Geschmacks. Abseits der Angebote der Verleiher bleibt der Kunst nur das Festival.” Weiter heißt es in dem Aufruf des Filmkritiker-Verbandes: “Festivals übernehmen punktuell die Aufgabe von Programmkinos. Gleichzeitig wachsen ihre Legitimationszwänge gegenüber Sponsoren, Verleihern und Förderern. Auch hier droht die Unterwerfung unter Marktlogik, Zielgruppenrelevanz und politische Interessen.” Im Zuge dieser Entwicklung würden Filmkritiker als Dienstleister missbraucht, von denen erwartet wird, dass sie fernab jeder Streitkultur das aktuelle Verleihprogramm weitgehend kritiklos verbreiten. Viele Filmkritiker hätten sich dieser Erwartung des Marktes aufgrund wirtschaftlicher Zwänge anpassen müssen. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, gründet der VdFk die erste “Woche der Kritik”, die auf der kommenden Berlinale stattfinden soll. Zugleich ruft er zu einer “aktivistischen Filmkritik” auf, die Filme in ihren Markt-, Produktions- und Fördergegebenheiten zeigt sowie kulturpolitische Zustände kommentiert. “Aktivistische Kritik ist subversiv. Sie unterwandert das auf den Lügen des Pragmatismus errichtete Gebäude. Sie setzt die Automatismen von Gefälligkeiten und Gefälligem außer Kraft.”<<

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Toshi Fujiwara, Director / Cinematographer / Film Critic

>>I totally agree to what is stated here. Cinema is quickly losing its freedom and heritage, good films are chased away by pretentious conventional narratives with gratuitous 'human' stories, and especially now film festivals are at risk. It's doubly problematic for people like myself as we are losing the outlet for what we do, and it's not a German problem; Berlinale is still among the better ones in this regard. Look at Venice or Cannes. It's terrible. Sure i'll share this and also will co-sign, thanks. It's good to know that some critics are also aware of this huge crisis that we are now facing everyday. Film criticism is important. We can't continue without the good critical viewpoints and writings on what we do. Thanx.<<

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Celluloid Liberation Front (aka Giovanni Vimercati)

>>While agreeing on most of what you write and propose, I believe that the way the problem is here framed can be misleading, or at least it was for me. The decline of film criticism as you describe it is not a self-contained problem, nor does it exclusively related to the film industry and so do its roots causes. As you rightly suggest in relation to film, so too its crisis should be considered and faced within its larger socio-economic context. The very fact that the act of going beyond appearances, of deconstructing a visual message and confuting its validity (i.e. film criticism) is no longer a viable profession speaks volumes about the world we live in. Western democracies and their newspapers, magazines and websites as a matter of fact can do without film criticism unless the latter morphs into publicity or buzz-generating twaddle. It is quite clear to who is writing that questioning and critical thinking are not very valuable assets to the neoliberal gospel and its preachers who rule undisputed our societies. This leaves "serious" film critics either unemployed or forced into less noble forms of intellectual prostitution in order not to wait tables (that is unless you are independently wealthy enough so as not have to make a living). This is a reality that no amount of dedicated, critical and anti-commercial criticism will make go away, it would be foolish telling ourselves otherwise. The disproportionate influence that sponsors and profit-driven imperatives have come to play in the film industry is nothing but a reflection of our social predicament. "Serious," engaged and truly independent criticism can flourish only in a society that (economically) thrives on debate and allows or even encourages its citizens to cultivate doubt and nurture dissent. That is clearly not the case. Given the preoccupying state Europe is in and the dangerously authoritarian winds that are sweeping its crisis-stricken planes, film and criticism can only degenerate along with all the rest. That is unless we oppose by any means necessary this political, social and cultural decline of which the state of film criticism is, once again, nothing but a reflection. To say it with our colleague Michael Pattison: 'we have to question the ways in which the film industry reinforces the economically hostile conditions that threaten it to begin with." In order to do that, we have to engage with and criticize not only films, but also, and most importantly, the world they originate from. That is not to say that nothing can be done to better the declining working conditions of film critics worldwide. Instead of vaingloriously and individualistically chase a nonexistent "critical fame" we could organize as film critics, defend our craft and profession from devaluation, making sure resources within the industry are fairly distributed and so on. As form and content are inextricably related in a film, so are the material and intellectual aspects of film criticism in relation to the wider social, economic and political sphere.<<

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Alexandra Zawia - via Wiener Zeitung

>>Nun könnten sich natürlich alle zusammenschließen und sagen, sie machen das so nicht mehr mit, diesen Druck, jede Geschichte haben zu müssen, fast ohne Rücksicht auf Qualität. (Wie es in Assoziationen auch das kürzlich vom Verband der Deutschen Filmkritik verfasste "Flugblatt zur aktivistischen Filmkritik" anstößt.)<<

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Dennis Vetter - via Eskalierende Träume

>>Beim Publikum liegt das Potenzial, Kinoräume am Leben zu halten und ambitioniertes Kino am Leben zu erhalten. Das wird zu selten getan. Das Fatale daran ist, dass man es eigentlich besser weiß. Die Gesellschaft könnte es besser wissen. Kunsträume funktionieren und ziehen Menschen an. Es gibt unzählige Ateliers. Man bezahlt in Kunsträumen nicht für Zerstreuung, weil man ja eben fähig ist, sich gründlich und aufgeschlossen mit Kunst zu beschäftigen und daran auch Interesse hat. Das soll nun wirklich keine Verteidigung von Museen werden. Aber im Museum werden Werke mit einer respektvollen Aura aufgeladen. Sie sind räumlich und historisch als legitim beglaubigt und alle Instanzen der Gesellschaft sind damit einverstanden. Interaktiveren Kunsträumen und Ateliers wird diese Rolle auch zugestanden. Das Kino dagegen, und darum geht es ja, wird kaum in dieser Form kommuniziert. Es ist auf dem Weg, die Sphäre der Kunst zu verlassen und nur noch wirtschaftlich gedacht zu werden. Das Kino als Geschäftsmodell, der Film als Gewinn- und Verlustrechnung. Mit jedem Film, der keinem anderen Anspruch zu genügen hat, zementiert das Kino sein Verschwinden als Raum, der sich politisch als Sinnträger behaupten lässt. Man unterwandert die eigene Argumentationsbasis, wenn man nicht an seine Stärken glaubt.<<

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Christoph Hochhäusler - via Revolver

>>[…] mit dem Flugblatt „für eine aktivistische Filmkritik”, das vor zwei Wochen auf den Kurzfilmtagen Oberhausen präsentiert worden ist, gibt es zum ersten Mal seit langem wieder so etwas wie eine selbstbewusste Kampfansage – nicht der deutschen Filmkritik, aber doch einer relevanten Fraktion, die nicht zufällig eng verbunden ist mit der Netzcinephilie, von der wir damals nur eine erste Ahnung hatten.<<

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Tim Slagman - via Eskalierende Träume

>>Danke für den Text, vergleichsweise differenziert, nachdenklich, mit nur einem Mindestmaß an Schaum vorm Mund geschrieben. Allerdings würde ich dafür streiten, auch im Stromlinienförmigen, Marktlogischen Ansatzpunkte zur Auseinandersetzung zu finden. Das heißt nicht nur (aber auch) anzuerkennen, dass meinetwegen ein Spielberg zumeist andere, bessere Filme macht als Michael Bay. Es meint aber vor allem, den Mainstream als kulturelles Symptom zu entziffern, seine – keineswegs in jedem Film identische – Ideologie und Funktion zu erschließen. Das ist sehr viel mehr als “nur” Konsum. Und sich dabei unterwegs auch ein wenig mitreißen zu lassen: Wem schadet’s? Es ist wahrscheinlich strategisch nötig, klare Fronten zu schaffen, ob es immer absolut richtig ist, weiß ich nicht. Man gerät leicht in Gefahr, dem Stoff in der Nische eine besondere Qualität zuzusprechen, allein aufgrund seiner Nischenposition.<<

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Dunja Bialas - via artechock

>>Ein anderes Kino, darunter auch das der kommu­nalen Initia­tiven, ist möglich und findet statt – genau das auch ist die Kern­aus­sage des akti­vis­ti­schen Flug­blatts. Ein anderes Kino ist dabei jedoch nicht ohne Subven­tion und persön­li­cher Initia­tive realisierbar – dies fest­zu­stellen folgt einer langen Tradition, die bereits in den 70er Jahren ihren Anfang nahm, in der Zeit, in der das Programm­kino sukzes­sive vom Main­stream abgelöst wurde, und in der sich die große Bewegung der kommu­nalen Kinos formierte.<<

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FLUGBLATT FüR AKTIVISTISCHE FILMKRITIK

Siehe auch: Positionen zu dem Papier.

See also comments of the pamphlet.

 

Wir blicken mit Sorge auf Film und Kritik.

Filmverleiher und Kinobetreiber haben in den letzten Jahrzehnten das Programmkino aufgegeben und es durch Arthouse ersetzt. Ein alternatives Programm zum Mainstream gibt es fast nirgends mehr. Mit dem Arthouse hat sich ein konventionelles und formelhaftes Kino durchgesetzt - unter dem Vorzeichen des angeblich guten Geschmacks. Abseits der Angebote der Verleiher bleibt der Kunst nur das Festival.

Festivals übernehmen punktuell die Aufgabe von Programmkinos. Gleichzeitig wachsen ihre Legitimationszwänge gegenüber Sponsoren, Verleihern und Förderern. Auch hier droht die Unterwerfung unter Marktlogik, Zielgruppenrelevanz und politische Interessen.

Freiräume müssen permanent erkämpft werden.

Parallel ist die Kritik in einer drastischen Zwangslage. Um zu reüssieren, muss sie das Denken an vorherrschende Normen und Marktgegebenheiten anpassen. Dabei büßt sie ihren unabhängigen Geist ein und wird zur Dienstleistung. Eigenständiges Denken wird von Reflexen abgelöst.

Wer das Denken abgibt, verliert die Fähigkeit, Bestehendes in Frage zu stellen. Rahmenbedingungen werden zum Alternativlosen erklärt. Visionen werden aufgegeben. Die finanzielle Perspektivlosigkeit darf nicht weiter in eine ideelle Anpassung münden.

Wer das Denken abgibt, lässt sich von Konsens und Kompromiss vereinnahmen. Eine produktive Streitkultur wird unmöglich. Kontroversen und Debatten sind jedoch die Grundlage für die Entfaltung von lebendigen Diskursen. Ohne Diskurs keine Kultur. Ohne Diskurs kein Wissen. Tatsächlich wird Unwissenheit gefördert.

Die Kritik ist am Zug. In ihr schlummert auch heute noch das Potenzial, wagemutige Positionen zu erforschen. Sie muss ihren passiven Pragmatismus überwinden und den Aktivismus für sich wiederentdecken.

Wir sind bereit, individuell und gemeinsam, eine aktivistische Kritik zu verfolgen.

Wir sind bereit, wirtschaftliche Risiken für sie zu tragen.

Aktivistische Kritik reflektiert ästhetische Programmatiken selbst dort, wo keiner danach fragt. Sie untersucht die gesellschaftlichen Dimensionen von Werken auch dann, wenn sie nicht thematisch werden. Sie blickt neugierig auf das vermeintlich Profane, verteidigt das Lustvolle, verdammt das Abgeklärte. Sie negiert den Begriff einer „bloßen Unterhaltung". Film und Kritik dürfen Spaß machen.

Aktivistische Kritik kommentiert kulturpolitische Zustände, deren Voraussetzungen und Limitierungen - auch dann, wenn dies keiner bestellt hat. Sie kontextualisiert Film in seinen Markt-, Produktions- und Fördergegebenheiten, um das Bewusstsein für sie zu schärfen und aufzuzeigen, welche Perspektiven verstellt sind.

Aktivistische Kritik ist subversiv. Sie unterwandert das auf den Lügen des Pragmatismus errichtete Gebäude. Sie setzt die Automatismen von Gefälligkeiten und Gefälligem außer Kraft.

Aktivistische Kritik beschränkt sich nicht auf Verlautbarungen, sie begibt sich aufs Terrain. Sie gestaltet und stachelt an.

Als erste Maßnahme aktivistischer Kritik begründen wir eine Woche der Kritik bei der Berlinale.

Den Missbrauch der Filmkritik als Dienstleistung nehmen wir nicht länger hin.

 

Oberhausen, 04.05.2014

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PAMPHLET FOR ACTIVIST FILM CRITICISM

It is with concern that we regard the situation of film and criticism.

 

During the last decades, distributors and exhibitors have given up the idea of repertory cinema and replaced it with arthouse. Currently, only very few places offer programming that presents an alternative to the mainstream. Under the term arthouse, a conventional and formulaic cinema has prevailed – under the signature of pretended good taste. Excluded from the stock of distributors, art finds a solemn shelter on the film festival circuit.

Sporadically, festivals are now taking over the role of repertory cinemas. At the same time they face a growing pressure to justify themselves in the face of sponsors, distributors and supporters. As in the other fields of film exhibition, the submission to market logic, target audience orientation and political agendas poses a growing threat.

Creating open spaces is a permanent struggle.

Along the same lines, criticism itself faces a drastic dilemma. To articulate itself, it needs to adapt its thinking to the norms and conditions of contemporary markets. During this process, it trades in its sovereignty and becomes service. Independent thinking is replaced by reflex.

Those who turn in free thinking lose the capability of questioning the establishment. Frameworks are declared as determinants. Visions are abandoned. The lack of economic perspectives must no longer lead to intellectual assimilation.

Those who turn in free thinking subject themselves to consensus and compromise. A productive culture of debate becomes impossible. But controversy and debate are essential for the unfolding of vivid discourse. Without discourse, there is no culture. Without discourse, there is no knowledge. In fact, ignorance is fostered.

It is the turn for criticism. It still conveys the potential to explore daring positions. Criticism needs to overcome its passive pragmatism and reclaim an activist practice.

We are willing, individually and collectively, to pursue an activist kind of film criticism.

We are willing to face economic risks.

Activist criticism reflects upon aesthetical programmatics even when they seem to be of no concern. It examines the social dimensions of works even when those are not a visible part of the subject. With great curiosity it regards what appears as mundane. It defends passion and condemns routine. It negates the term of “simple entertainment”. Film and criticism can be joyful.

Activist criticism comments on the state of cultural politics, its premises and limitations – even when no one has commissioned such advice. It contextualizes film within the conditions of the market, of production and funding. Through this process, it creates awareness and points out the limitations of perspectives.

Activist criticism is subversive. It undercuts a construct that has been established on pragmatist lies. It invalidates the automatisms of favors and the favorable.

Activist criticism does not limit itself to proclamations, but enters the field. It is a creative and stimulating force.

Our first measure of activist criticism is the launching of a Critics' Week at the Berlin International Film Festival.

We will no longer accept the abuse of film criticism as service.

Oberhausen, May 4, 2014

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Dunja Bialas
Jennifer Borrmann
Frédéric Jaeger
Claus Löser
Dennis Vetter
Beatrice Behn
Kirsten Kieninger
Joachim Kurz
Harald Mühlbeyer
Wilhelm Skrjabin
Hans Stempel
Florian Vollmers
Rochus Wolff
Clara Wellner Bou
Erik Lemke
José Garcia
Stefanie Drechsel
Huan Vu
Sebastian Selig
Daniel Kothenschulte
Carsten Spicher
Andreas Heidenreich
Karola Gramann
Hannes Brühwiler
Heide Schlüpmann
Christoph Wirsching
Elisabeth Maurer
Wilhelm Hein
Paul Poet
Rüdiger Suchsland
Michael Cholewa
Jörg van Bebber
Peter Clasen
Rudi Gaul
Markus Brandstätter
Gregor Torinus
Marcus Stiglegger
Anette Frick
Sano Cestnik
Jörg Buttgereit
Jens Dehn
Jan Soldat
Jochen Werner
Dana Linssen
Jean Roy
Pablo Utin
Joyce Roodnat
Johann Jakob Häußermann
Alexandra Zawia
Ulrich Kriest
Stephan Langer
Thorsten Krüger
Tara Karajica
Thomas Moritz Müller
Pamela Pianezza
Yoana Pavlova
Patrick Holzapfel
Adrian Martin
Louise Burkart
Roger Koza
Thomas Groh
Pamela Biénzobas
Diego Brodersen
Andrey Arnold
Toshi Fujiwara
Jakob Gross
Ann-Christin Eikenbusch
Greg de Cuir, Jr
Luca Fuchs
Oliver Nöding
Bernd Kiefer
Paolo Bertolin
Edmund Yeo
Alex Oost
Michael Schleeh
Dominik Kamalzadeh
Julian Ross
Mark Schilling
Giovanni Vimercati
Kirsten Liese
Cosima Lutz
Thomas Rothschild
Tino Hanekamp
Christian von Borries
Adriana Prodeus
Moritz Pfeiffer

VDFK LEHNT EMBARGO DURCH DIE BERLINALE AB

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) protestiert gegen das kurzfristig verhängte Embargo durch die Berlinale für Martin Scorseses neue Arbeit.

Berlin, 14.02.2014

Die Berlinale hatte gestern Abend in einer Email an die akkreditierten Journalisten jegliche kritische Berichterstattung zur heutigen Vorführung von Untitled New York Review of Books Documentary untersagt. In der Email wurde darauf verwiesen, dass es sich bei dem im Berlinale Special laufenden Film von Martin Scorsese und David Tedeschi – wie bereits bekannt – um eine vorläufige Arbeitsfassung handelt. Es würden lediglich drei Ausschnitte gezeigt und diese seien weder vom Bild noch vom Ton her fertig. Auf Nachfrage wurde seitens der Berlinale erklärt, das Embargo folge dem Wunsch von Martin Scorsese, dass es keine Berichterstattung über die unfertige Fassung geben solle. Das mit diesem Hinweis begründete Verbot von "Filmkritiken und -besprechungen" lehnt der VdFk ab.

Im Gegensatz zu Markt- und Pressevorführungen, bei denen Sperrfristen grundsätzlich zumindest juristisch nicht zu beanstanden sind, kann es bei öffentlichen Veranstaltungen ein solches, noch dazu zeitlich uneingeschränktes Berichterstattungsverbot nicht geben. Wir halten das Embargo daher für gegenstandslos. Nach Ansicht des VdFk handelt es sich um eine sowohl ungültige – weil einseitige – Beschränkung der Arbeit von Journalisten, die, sollte sie tatsächlich in irgendeiner Form durchzusetzen versucht werden, ein klarer Eingriff in die Pressefreiheit darstellen würde.

Die Berlinale ist darüber hinaus das einzige der drei großen europäischen Festivals, das eine Embargo-Regelung für Weltpremieren mit der Presseakkreditierung verknüpft. Auch diese Praxis kritisiert der VdFk als überzogen und unverhältnismäßig. Zudem zeugt sie von einem profunden Misstrauen gegenüber der Kritik. Im aktuellen Fall der öffentlichen Vorführung einer Arbeitsfassung ist Kritikern zuzutrauen, diese als solche zu behandeln und zu besprechen.

Der VdFk geht weiterhin davon aus, dass das Embargo keinerlei rechtlichen Prüfung standhalten dürfte und weist alle Journalisten darauf hin, dass sie es nicht zu befolgen haben. Der VdFk sichert in dieser Hinsicht allen betroffenen Kritikern Unterstützung und Solidarität zu, auch für den von uns ausgeschlossenen Fall, dass einem Kritiker aufgrund der Missachtung des Embargos eine Benachteiligung durch die Berlinale drohen sollte.

KRITIKER-PANEL AUF DER BERLINALE

"Halbzeit – Internationale Filmkritiker ziehen Berlinale-Zwischenbilanz"
mit Thomas Sotinel (Le Monde), Frédéric Jaeger (critic.de), Esin Küçüktepepinar (Sinema) und Boris Nelepo (Séance)
Moderation: Scott Foundas (Variety)
Auf den Teppichen ist das Feiern der Filme in vollem Gange, noch müssen die Eindrücke sich verdichten, die Gefühle unterfüttert, die Distanz begründet, die Nähe erforscht, die Hintergründe beleuchtet, der Rahmen gesetzt werden. Diesen besonderen Augenblick der heißen Festivalphase wollen wir mit internationalen Kritikern einfangen. Wie ordnen sie die Filme ein? Wo schlägt ihr Herz höher, wo ergreifen sie die Flucht, wo setzt ihr Gehirn aus? Überhaupt: Welches Weltkino zeigt die Berlinale? Wie steht es um den Autoren- und wie um den Festivalfilm? Welche Werke werden uns noch lange begleiten?

Ein Zwischenfazit mit gewollt voreiligen Einschätzungen, subjektiven Spitzen und behutsamen Analysen, am Puls der Berlinale, mitten im Geschehen am Potsdamer Platz.

Eine Veranstaltung der Berlinale in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik.

Teilnehmer:
Frédéric Jaeger (critic.de, Deutschland)
Esin Küçüktepepinar (Sinema, Türkei)
Boris Nelepo (Séance, Russland)
Thomas Sotinel (Le Monde, Frankreich)
Moderation: Scott Foundas (Variety, USA)

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Termin: Mittwoch, den 12. Februar 2014 von 19.00 bis 20.00 Uhr
Ort: Audi Berlinale Lounge, Marlene-Dietrich-Platz, direkt vor dem Berlinale-Palast

Einlass für angemeldete VdFk-Mitglieder zwischen 18.30 Uhr und 18.45
Ab 18.45 Einlass für die interessierte Öffentlichkeit im Rahmen der verfügbaren Plätze, max. 120 Personen insgesamt.
Voranmeldung für VdFk-Mitglieder unter: berlinale (at) vdfk.de bis 09.02.2014

AUS DEM BEFREIUNGSSCHLAG ERWäCHST VERANTWORTUNG

Stellungnahme des Verbands der deutschen Filmkritik zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Filmförderung

Berlin, 29.1.2014 - Das Bundesverfassungsgericht hat mit seiner gestern verkündeten Entscheidung die Verfassungsmäßigkeit des Filmförderungsgesetzes (FFG) uneingeschränkt bestätigt.

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) begrüßt das Karlsruher Urteil. Dieses Urteil stärkt das deutsche Kino und die Rolle des Bundes als maßgeblichem Gesetzgeber im Bereich der Filmförderung. Zudem wurde damit auch das Solidaritätsprinzip als ein nachhaltiger Grundpfeiler der deutschen Filmförderung ausdrücklich bestätigt. Jeder Teil der deutschen Kinolandschaft muss diese auch in angemessener Weise unterstützen.

„Das Urteil ist ein Befreiungsschlag für das deutsche Kino“ erklärte Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des VdFk, Frédéric Jaeger, „Solidarität ist gerade in Kulturfragen ein wichtiger Maßstab. Es kann nicht sein, dass sich wenige reiche und mächtige Unternehmen aus der Solidargemeinschaft des Kinos verabschieden.“

Zugleich soll diese positive Nachricht nicht von den vorhandenen Missständen ablenken. Der VdFk fordert eine breite Diskussion unter den Film- und Kulturschaffenden über diese Missstände und mögliche Wege zur Reform des FFG.

„Es muss allen bewusst sein“, so Jaeger, „dass wir uns nach der uneingeschränkten Zurückweisung der von einigen Kinobetreibern erhobenen Verfassungsbeschwerden nun den Schwächen der Filmförderung zuwenden können und sollten. Der VdFk teilt die Ansicht anderer Verbände, dass das FFG dringend einer Modernisierung bedarf. Das Karlsruher Urteil hat dazu nun eine Basis gelegt und Rahmenbedingungen definiert. Auch für die Länderförderungen sollten sich Konsequenzen ergeben. In Kulturfragen dürfen sie sich nicht gegenseitig als Konkurrenz betrachten. Sie stehen in der Verantwortung, gemeinsam mit dem Bund, die Kulturförderung nicht weiter vorrangig unter die Fittiche von zu kurz greifenden wirtschaftlichen Vorgaben wie Standortfaktoren und Auswertungskalkül zu stellen.“

Der VdFk fordert, auch all jene zur Filmabgabe zu verpflichten, die mit der Online-Verbreitung von Filmen Geld verdienen: Dazu gehören besonders die Telekommunikationsunternehmen, aber auch ausländische VoD-Anbieter.

Die Position der Autoren und Regisseure muss gestärkt werden, ebenso die Position der Produktionsunternehmen gegenüber den Verwertern.

Auf allen Ebenen muss der Gesetzgeber die Unabhängigkeit des Kinos gegenüber der Einflussnahme des Fernsehens sichern. Die im europäischen Vergleich einmalige Umklammerung des Kinos durch das Fernsehen muss ein Ende haben!

Grundsätzlich sollte ein neues Filmfördergesetz eine stärkere kulturelle Ausrichtung haben, wie sie auch von der Europäischen Kommission gewünscht und durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts nun bestätigt ist. Die kulturelle Qualität und der künstlerische Erfolg der Filme sind ein wichtigerer Maßstab, als kurzfristige wirtschaftliche Rendite.

Zudem müssen kulturelle und wirtschaftliche Filmförderung transparenter voneinander unterschieden werden. Ihre Vermischung schadet dem deutschen Kino und öffnet der Willkür bei Gremienentscheidungen Tür und Tor.

Die Stützung von Innovation muss dezidiert experimentelle Ansätze zulassen. Wir stimmen der Einschätzung der Karlsruher Richter ausdrücklich zu, dass es: „in der Natur kreativer und künstlerischer Werke [liegt], dass sie gerade nicht ausschließlich nach eingefahrenen, vorgegebenen Mustern produziert sind“. Wir freuen uns über ein solches klares Bekenntnis zu Kunst, Avantgarde und Experiment, das wir uns auch von den Verantwortlichen der Förderung wünschen.

URTEILSVERKüNDUNG IN SACHEN FILMFöRDERUNG

Am 28. Januar 2014 verkündet das Bundesverfassungsgericht sein Urteil zum FFG

PETITION: UNSER FILMERBE IST IN GEFAHR

Berlin, 26. November 2013

Jeanpaul Goergen, Professor Helmut Herbst und Professor Klaus Kreimeier haben vor einigen Tagen eine Petition zur Rettung des Filmerbes an Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien, ins Leben gerufen. Wir unterstützen diese Petition, die wir bereits unterzeichnet haben und sehen es auch als unsere Aufgabe, uns in der Zukunft weiter mit der Thematik auseinandersetzen.

Es werden weiterhin Unterschriften benötigt - bisher haben fast 1700 Personen unterzeichnet.

Hier gibt es die Möglichkeit, zu unterschreiben: Petition: Unser Filmerbe ist in Gefahr

50 JAHRE FILMMUSEUM MüNCHEN

Am 30. November 1963 wurde unter der Leitung von Rudolph S. Joseph die "Filmabteilung des Photo- und Filmmuseums" ins Leben gerufen.
Nun feiert das Filmmuseum München sein 50-jähriges Bestehen sowie das 40-jährige Bestehen des Münchner Filmzentrums e.V.
Eine ausführliche Broschüre lässt die Entwicklung des ersten kommunalen Filmmuseums der Bundesrepublik Revue passieren.
(Zum Download: Rechtsklick > Ziel speichern unter)

MANIFESTE GEGEN PASSIVITäT UND WELTSCHMERZ

Rüdiger Suchslands Rede zur Verleihung des ersten Siegfried Kracauer Preises

Rüdiger Suchsland

Meine Damen, meine Herren,
liebe Gabriele Röthemeyer,
liebe Freunde von der MFG,
lieber Vorstand und liebe Mitglieder des Verbands der deutschen Filmkritik,

bevor ich Ihnen sehr kurz ein paar Dinge zu Siegfried Kracauer erzähle, möchte ich mich zunächst und vor allem bedanken.

Bedanken bei Ihnen, Frau Röthemeyer, dafür dass Sie ganz persönlich und die MFG diesen Preis möglich machen. Nicht nur möglich, sondern dass Sie ihn dotieren, anständig dotieren. 15.000 Euro, das ist ja kein Pappenstiel, das ist höher dotiert, als viele Filmpreise.

Die Filmkritik kommt immer nach dem Film. Und so ist man fast versucht, Bibelsprüche zu zitieren, und irgendwas zu sagen in der Art: Die Letzten werden die ersten sein - also ist dieser Preis auch ein Symbol als eine Ihrer - leider - letzten Amtshandlungen. Ein Symbol dafür, dass auch die Filmkritik zwar spät kommt, aber bedeutend ist und eben nicht fehlen soll im Gesamtkonzert dessen, was wir Kino nennen.

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