verband der deutschen filmkritik e.V.
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FLUGBLATT FüR AKTIVISTISCHE FILMKRITIK

Siehe auch: Positionen zu dem Papier.

See also comments of the pamphlet.

 

Wir blicken mit Sorge auf Film und Kritik.

Filmverleiher und Kinobetreiber haben in den letzten Jahrzehnten das Programmkino aufgegeben und es durch Arthouse ersetzt. Ein alternatives Programm zum Mainstream gibt es fast nirgends mehr. Mit dem Arthouse hat sich ein konventionelles und formelhaftes Kino durchgesetzt - unter dem Vorzeichen des angeblich guten Geschmacks. Abseits der Angebote der Verleiher bleibt der Kunst nur das Festival.

Festivals übernehmen punktuell die Aufgabe von Programmkinos. Gleichzeitig wachsen ihre Legitimationszwänge gegenüber Sponsoren, Verleihern und Förderern. Auch hier droht die Unterwerfung unter Marktlogik, Zielgruppenrelevanz und politische Interessen.

Freiräume müssen permanent erkämpft werden.

Parallel ist die Kritik in einer drastischen Zwangslage. Um zu reüssieren, muss sie das Denken an vorherrschende Normen und Marktgegebenheiten anpassen. Dabei büßt sie ihren unabhängigen Geist ein und wird zur Dienstleistung. Eigenständiges Denken wird von Reflexen abgelöst.

Wer das Denken abgibt, verliert die Fähigkeit, Bestehendes in Frage zu stellen. Rahmenbedingungen werden zum Alternativlosen erklärt. Visionen werden aufgegeben. Die finanzielle Perspektivlosigkeit darf nicht weiter in eine ideelle Anpassung münden.

Wer das Denken abgibt, lässt sich von Konsens und Kompromiss vereinnahmen. Eine produktive Streitkultur wird unmöglich. Kontroversen und Debatten sind jedoch die Grundlage für die Entfaltung von lebendigen Diskursen. Ohne Diskurs keine Kultur. Ohne Diskurs kein Wissen. Tatsächlich wird Unwissenheit gefördert.

Die Kritik ist am Zug. In ihr schlummert auch heute noch das Potenzial, wagemutige Positionen zu erforschen. Sie muss ihren passiven Pragmatismus überwinden und den Aktivismus für sich wiederentdecken.

Wir sind bereit, individuell und gemeinsam, eine aktivistische Kritik zu verfolgen.

Wir sind bereit, wirtschaftliche Risiken für sie zu tragen.

Aktivistische Kritik reflektiert ästhetische Programmatiken selbst dort, wo keiner danach fragt. Sie untersucht die gesellschaftlichen Dimensionen von Werken auch dann, wenn sie nicht thematisch werden. Sie blickt neugierig auf das vermeintlich Profane, verteidigt das Lustvolle, verdammt das Abgeklärte. Sie negiert den Begriff einer „bloßen Unterhaltung". Film und Kritik dürfen Spaß machen.

Aktivistische Kritik kommentiert kulturpolitische Zustände, deren Voraussetzungen und Limitierungen - auch dann, wenn dies keiner bestellt hat. Sie kontextualisiert Film in seinen Markt-, Produktions- und Fördergegebenheiten, um das Bewusstsein für sie zu schärfen und aufzuzeigen, welche Perspektiven verstellt sind.

Aktivistische Kritik ist subversiv. Sie unterwandert das auf den Lügen des Pragmatismus errichtete Gebäude. Sie setzt die Automatismen von Gefälligkeiten und Gefälligem außer Kraft.

Aktivistische Kritik beschränkt sich nicht auf Verlautbarungen, sie begibt sich aufs Terrain. Sie gestaltet und stachelt an.

Als erste Maßnahme aktivistischer Kritik begründen wir eine Woche der Kritik bei der Berlinale.

Den Missbrauch der Filmkritik als Dienstleistung nehmen wir nicht länger hin.

 

Oberhausen, 04.05.2014

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PAMPHLET FOR ACTIVIST FILM CRITICISM

It is with concern that we regard the situation of film and criticism.

 

During the last decades, distributors and exhibitors have given up the idea of repertory cinema and replaced it with arthouse. Currently, only very few places offer programming that presents an alternative to the mainstream. Under the term arthouse, a conventional and formulaic cinema has prevailed – under the signature of pretended good taste. Excluded from the stock of distributors, art finds a solemn shelter on the film festival circuit.

Sporadically, festivals are now taking over the role of repertory cinemas. At the same time they face a growing pressure to justify themselves in the face of sponsors, distributors and supporters. As in the other fields of film exhibition, the submission to market logic, target audience orientation and political agendas poses a growing threat.

Creating open spaces is a permanent struggle.

Along the same lines, criticism itself faces a drastic dilemma. To articulate itself, it needs to adapt its thinking to the norms and conditions of contemporary markets. During this process, it trades in its sovereignty and becomes service. Independent thinking is replaced by reflex.

Those who turn in free thinking lose the capability of questioning the establishment. Frameworks are declared as determinants. Visions are abandoned. The lack of economic perspectives must no longer lead to intellectual assimilation.

Those who turn in free thinking subject themselves to consensus and compromise. A productive culture of debate becomes impossible. But controversy and debate are essential for the unfolding of vivid discourse. Without discourse, there is no culture. Without discourse, there is no knowledge. In fact, ignorance is fostered.

It is the turn for criticism. It still conveys the potential to explore daring positions. Criticism needs to overcome its passive pragmatism and reclaim an activist practice.

We are willing, individually and collectively, to pursue an activist kind of film criticism.

We are willing to face economic risks.

Activist criticism reflects upon aesthetical programmatics even when they seem to be of no concern. It examines the social dimensions of works even when those are not a visible part of the subject. With great curiosity it regards what appears as mundane. It defends passion and condemns routine. It negates the term of “simple entertainment”. Film and criticism can be joyful.

Activist criticism comments on the state of cultural politics, its premises and limitations – even when no one has commissioned such advice. It contextualizes film within the conditions of the market, of production and funding. Through this process, it creates awareness and points out the limitations of perspectives.

Activist criticism is subversive. It undercuts a construct that has been established on pragmatist lies. It invalidates the automatisms of favors and the favorable.

Activist criticism does not limit itself to proclamations, but enters the field. It is a creative and stimulating force.

Our first measure of activist criticism is the launching of a Critics' Week at the Berlin International Film Festival.

We will no longer accept the abuse of film criticism as service.

Oberhausen, May 4, 2014

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Dunja Bialas
Jennifer Borrmann
Frédéric Jaeger
Claus Löser
Dennis Vetter
Beatrice Behn
Kirsten Kieninger
Joachim Kurz
Harald Mühlbeyer
Wilhelm Skrjabin
Hans Stempel
Florian Vollmers
Rochus Wolff
Clara Wellner Bou
Erik Lemke
José Garcia
Stefanie Drechsel
Huan Vu
Sebastian Selig
Daniel Kothenschulte
Carsten Spicher
Andreas Heidenreich
Karola Gramann
Hannes Brühwiler
Heide Schlüpmann
Christoph Wirsching
Elisabeth Maurer
Wilhelm Hein
Paul Poet
Rüdiger Suchsland
Michael Cholewa
Jörg van Bebber
Peter Clasen
Rudi Gaul
Markus Brandstätter
Gregor Torinus
Marcus Stiglegger
Anette Frick
Sano Cestnik
Jörg Buttgereit
Jens Dehn
Jan Soldat
Jochen Werner
Dana Linssen
Jean Roy
Pablo Utin
Joyce Roodnat
Johann Jakob Häußermann
Alexandra Zawia
Ulrich Kriest
Stephan Langer
Thorsten Krüger
Tara Karajica
Thomas Moritz Müller
Pamela Pianezza
Yoana Pavlova
Patrick Holzapfel
Adrian Martin
Louise Burkart
Roger Koza
Thomas Groh
Pamela Biénzobas
Diego Brodersen
Andrey Arnold
Toshi Fujiwara
Jakob Gross
Ann-Christin Eikenbusch
Greg de Cuir, Jr
Luca Fuchs
Oliver Nöding
Bernd Kiefer
Paolo Bertolin
Edmund Yeo
Alex Oost
Michael Schleeh
Dominik Kamalzadeh
Julian Ross
Mark Schilling
Giovanni Vimercati
Kirsten Liese
Cosima Lutz
Thomas Rothschild
Tino Hanekamp
Christian von Borries
Adriana Prodeus
Moritz Pfeiffer

VDFK LEHNT EMBARGO DURCH DIE BERLINALE AB

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) protestiert gegen das kurzfristig verhängte Embargo durch die Berlinale für Martin Scorseses neue Arbeit.

Berlin, 14.02.2014

Die Berlinale hatte gestern Abend in einer Email an die akkreditierten Journalisten jegliche kritische Berichterstattung zur heutigen Vorführung von Untitled New York Review of Books Documentary untersagt. In der Email wurde darauf verwiesen, dass es sich bei dem im Berlinale Special laufenden Film von Martin Scorsese und David Tedeschi – wie bereits bekannt – um eine vorläufige Arbeitsfassung handelt. Es würden lediglich drei Ausschnitte gezeigt und diese seien weder vom Bild noch vom Ton her fertig. Auf Nachfrage wurde seitens der Berlinale erklärt, das Embargo folge dem Wunsch von Martin Scorsese, dass es keine Berichterstattung über die unfertige Fassung geben solle. Das mit diesem Hinweis begründete Verbot von "Filmkritiken und -besprechungen" lehnt der VdFk ab.

Im Gegensatz zu Markt- und Pressevorführungen, bei denen Sperrfristen grundsätzlich zumindest juristisch nicht zu beanstanden sind, kann es bei öffentlichen Veranstaltungen ein solches, noch dazu zeitlich uneingeschränktes Berichterstattungsverbot nicht geben. Wir halten das Embargo daher für gegenstandslos. Nach Ansicht des VdFk handelt es sich um eine sowohl ungültige – weil einseitige – Beschränkung der Arbeit von Journalisten, die, sollte sie tatsächlich in irgendeiner Form durchzusetzen versucht werden, ein klarer Eingriff in die Pressefreiheit darstellen würde.

Die Berlinale ist darüber hinaus das einzige der drei großen europäischen Festivals, das eine Embargo-Regelung für Weltpremieren mit der Presseakkreditierung verknüpft. Auch diese Praxis kritisiert der VdFk als überzogen und unverhältnismäßig. Zudem zeugt sie von einem profunden Misstrauen gegenüber der Kritik. Im aktuellen Fall der öffentlichen Vorführung einer Arbeitsfassung ist Kritikern zuzutrauen, diese als solche zu behandeln und zu besprechen.

Der VdFk geht weiterhin davon aus, dass das Embargo keinerlei rechtlichen Prüfung standhalten dürfte und weist alle Journalisten darauf hin, dass sie es nicht zu befolgen haben. Der VdFk sichert in dieser Hinsicht allen betroffenen Kritikern Unterstützung und Solidarität zu, auch für den von uns ausgeschlossenen Fall, dass einem Kritiker aufgrund der Missachtung des Embargos eine Benachteiligung durch die Berlinale drohen sollte.

KRITIKER-PANEL AUF DER BERLINALE

"Halbzeit – Internationale Filmkritiker ziehen Berlinale-Zwischenbilanz"
mit Thomas Sotinel (Le Monde), Frédéric Jaeger (critic.de), Esin Küçüktepepinar (Sinema) und Boris Nelepo (Séance)
Moderation: Scott Foundas (Variety)
Auf den Teppichen ist das Feiern der Filme in vollem Gange, noch müssen die Eindrücke sich verdichten, die Gefühle unterfüttert, die Distanz begründet, die Nähe erforscht, die Hintergründe beleuchtet, der Rahmen gesetzt werden. Diesen besonderen Augenblick der heißen Festivalphase wollen wir mit internationalen Kritikern einfangen. Wie ordnen sie die Filme ein? Wo schlägt ihr Herz höher, wo ergreifen sie die Flucht, wo setzt ihr Gehirn aus? Überhaupt: Welches Weltkino zeigt die Berlinale? Wie steht es um den Autoren- und wie um den Festivalfilm? Welche Werke werden uns noch lange begleiten?

Ein Zwischenfazit mit gewollt voreiligen Einschätzungen, subjektiven Spitzen und behutsamen Analysen, am Puls der Berlinale, mitten im Geschehen am Potsdamer Platz.

Eine Veranstaltung der Berlinale in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik.

Teilnehmer:
Frédéric Jaeger (critic.de, Deutschland)
Esin Küçüktepepinar (Sinema, Türkei)
Boris Nelepo (Séance, Russland)
Thomas Sotinel (Le Monde, Frankreich)
Moderation: Scott Foundas (Variety, USA)

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Termin: Mittwoch, den 12. Februar 2014 von 19.00 bis 20.00 Uhr
Ort: Audi Berlinale Lounge, Marlene-Dietrich-Platz, direkt vor dem Berlinale-Palast

Einlass für angemeldete VdFk-Mitglieder zwischen 18.30 Uhr und 18.45
Ab 18.45 Einlass für die interessierte Öffentlichkeit im Rahmen der verfügbaren Plätze, max. 120 Personen insgesamt.
Voranmeldung für VdFk-Mitglieder unter: berlinale (at) vdfk.de bis 09.02.2014

AUS DEM BEFREIUNGSSCHLAG ERWäCHST VERANTWORTUNG

Stellungnahme des Verbands der deutschen Filmkritik zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Filmförderung

Berlin, 29.1.2014 - Das Bundesverfassungsgericht hat mit seiner gestern verkündeten Entscheidung die Verfassungsmäßigkeit des Filmförderungsgesetzes (FFG) uneingeschränkt bestätigt.

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) begrüßt das Karlsruher Urteil. Dieses Urteil stärkt das deutsche Kino und die Rolle des Bundes als maßgeblichem Gesetzgeber im Bereich der Filmförderung. Zudem wurde damit auch das Solidaritätsprinzip als ein nachhaltiger Grundpfeiler der deutschen Filmförderung ausdrücklich bestätigt. Jeder Teil der deutschen Kinolandschaft muss diese auch in angemessener Weise unterstützen.

„Das Urteil ist ein Befreiungsschlag für das deutsche Kino“ erklärte Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des VdFk, Frédéric Jaeger, „Solidarität ist gerade in Kulturfragen ein wichtiger Maßstab. Es kann nicht sein, dass sich wenige reiche und mächtige Unternehmen aus der Solidargemeinschaft des Kinos verabschieden.“

Zugleich soll diese positive Nachricht nicht von den vorhandenen Missständen ablenken. Der VdFk fordert eine breite Diskussion unter den Film- und Kulturschaffenden über diese Missstände und mögliche Wege zur Reform des FFG.

„Es muss allen bewusst sein“, so Jaeger, „dass wir uns nach der uneingeschränkten Zurückweisung der von einigen Kinobetreibern erhobenen Verfassungsbeschwerden nun den Schwächen der Filmförderung zuwenden können und sollten. Der VdFk teilt die Ansicht anderer Verbände, dass das FFG dringend einer Modernisierung bedarf. Das Karlsruher Urteil hat dazu nun eine Basis gelegt und Rahmenbedingungen definiert. Auch für die Länderförderungen sollten sich Konsequenzen ergeben. In Kulturfragen dürfen sie sich nicht gegenseitig als Konkurrenz betrachten. Sie stehen in der Verantwortung, gemeinsam mit dem Bund, die Kulturförderung nicht weiter vorrangig unter die Fittiche von zu kurz greifenden wirtschaftlichen Vorgaben wie Standortfaktoren und Auswertungskalkül zu stellen.“

Der VdFk fordert, auch all jene zur Filmabgabe zu verpflichten, die mit der Online-Verbreitung von Filmen Geld verdienen: Dazu gehören besonders die Telekommunikationsunternehmen, aber auch ausländische VoD-Anbieter.

Die Position der Autoren und Regisseure muss gestärkt werden, ebenso die Position der Produktionsunternehmen gegenüber den Verwertern.

Auf allen Ebenen muss der Gesetzgeber die Unabhängigkeit des Kinos gegenüber der Einflussnahme des Fernsehens sichern. Die im europäischen Vergleich einmalige Umklammerung des Kinos durch das Fernsehen muss ein Ende haben!

Grundsätzlich sollte ein neues Filmfördergesetz eine stärkere kulturelle Ausrichtung haben, wie sie auch von der Europäischen Kommission gewünscht und durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts nun bestätigt ist. Die kulturelle Qualität und der künstlerische Erfolg der Filme sind ein wichtigerer Maßstab, als kurzfristige wirtschaftliche Rendite.

Zudem müssen kulturelle und wirtschaftliche Filmförderung transparenter voneinander unterschieden werden. Ihre Vermischung schadet dem deutschen Kino und öffnet der Willkür bei Gremienentscheidungen Tür und Tor.

Die Stützung von Innovation muss dezidiert experimentelle Ansätze zulassen. Wir stimmen der Einschätzung der Karlsruher Richter ausdrücklich zu, dass es: „in der Natur kreativer und künstlerischer Werke [liegt], dass sie gerade nicht ausschließlich nach eingefahrenen, vorgegebenen Mustern produziert sind“. Wir freuen uns über ein solches klares Bekenntnis zu Kunst, Avantgarde und Experiment, das wir uns auch von den Verantwortlichen der Förderung wünschen.

URTEILSVERKüNDUNG IN SACHEN FILMFöRDERUNG

Am 28. Januar 2014 verkündet das Bundesverfassungsgericht sein Urteil zum FFG

PETITION: UNSER FILMERBE IST IN GEFAHR

Berlin, 26. November 2013

Jeanpaul Goergen, Professor Helmut Herbst und Professor Klaus Kreimeier haben vor einigen Tagen eine Petition zur Rettung des Filmerbes an Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien, ins Leben gerufen. Wir unterstützen diese Petition, die wir bereits unterzeichnet haben und sehen es auch als unsere Aufgabe, uns in der Zukunft weiter mit der Thematik auseinandersetzen.

Es werden weiterhin Unterschriften benötigt - bisher haben fast 1700 Personen unterzeichnet.

Hier gibt es die Möglichkeit, zu unterschreiben: Petition: Unser Filmerbe ist in Gefahr

50 JAHRE FILMMUSEUM MüNCHEN

Am 30. November 1963 wurde unter der Leitung von Rudolph S. Joseph die "Filmabteilung des Photo- und Filmmuseums" ins Leben gerufen.
Nun feiert das Filmmuseum München sein 50-jähriges Bestehen sowie das 40-jährige Bestehen des Münchner Filmzentrums e.V.
Eine ausführliche Broschüre lässt die Entwicklung des ersten kommunalen Filmmuseums der Bundesrepublik Revue passieren.
(Zum Download: Rechtsklick > Ziel speichern unter)

MANIFESTE GEGEN PASSIVITäT UND WELTSCHMERZ

Rüdiger Suchslands Rede zur Verleihung des ersten Siegfried Kracauer Preises

Rüdiger Suchsland

Meine Damen, meine Herren,
liebe Gabriele Röthemeyer,
liebe Freunde von der MFG,
lieber Vorstand und liebe Mitglieder des Verbands der deutschen Filmkritik,

bevor ich Ihnen sehr kurz ein paar Dinge zu Siegfried Kracauer erzähle, möchte ich mich zunächst und vor allem bedanken.

Bedanken bei Ihnen, Frau Röthemeyer, dafür dass Sie ganz persönlich und die MFG diesen Preis möglich machen. Nicht nur möglich, sondern dass Sie ihn dotieren, anständig dotieren. 15.000 Euro, das ist ja kein Pappenstiel, das ist höher dotiert, als viele Filmpreise.

Die Filmkritik kommt immer nach dem Film. Und so ist man fast versucht, Bibelsprüche zu zitieren, und irgendwas zu sagen in der Art: Die Letzten werden die ersten sein - also ist dieser Preis auch ein Symbol als eine Ihrer - leider - letzten Amtshandlungen. Ein Symbol dafür, dass auch die Filmkritik zwar spät kommt, aber bedeutend ist und eben nicht fehlen soll im Gesamtkonzert dessen, was wir Kino nennen.

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ERSTER SIEGFRIED KRACAUER PREIS 2013 IN BERLIN VERLIEHEN

Den Siegfried Kracauer Preis in der Kategorie „Beste Filmkritik“ gewinnt Cristina Nord und das Stipendium für das Jahr 2014 geht an Nino Klingler.

Cristina Nord und Nino Klingler

Berlin, 23.11.2013

Im Berliner Kino Arsenal verlieh am Samstagabend die MFG Filmförderung Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) zum ersten Mal den Siegfried Kracauer Preis. Der von der MFG gestiftete Preis ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert. In der Kategorie „Beste Filmkritik“ konnte VdFk-Mitglied Cristina Nord mit ihrer Kritik zu Ulrich Seidls Film Paradies: Liebe „Eine Kordel trennt die beiden Sphären“ (tageszeitung, 03.01.2013) die Jury überzeugen. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

Das mit 12.000 Euro ausgestattete Jahresstipendium erhielt Nino Klingler, ebenfalls Mitglied im VdFk. Das Stipendium ist mit dem monatlichen Verfassen einer Filmkritik sowie insgesamt zweier kritischer Essays zum Thema „Zukunft des Kinos“ verknüpft.

Die Jury des Siegfried Kracauer Preises bestand in diesem Jahr aus der Direktorin des Frankfurter Filmmuseums Claudia Dillmann, der Geschäftsführerin von Vision Kino Sarah Duve sowie dem Wiener Filmkritiker Dominik Kamalzadeh.

Zu ihrer Wahl für die Beste Filmkritik 2013 erklärte die Jury, Cristina Nord beweise die Qualität des Abwiegens „gegenüber einem Regisseur, der gemeinhin als einer gilt, der nur zwei Alternativen zulässt: Man ist entweder für oder gegen ihn. Ohne die ästhetischen Qualitäten des Films kleinzureden, weist sie in ihrer Kritik mit Beharrlichkeit auf ungelöste Fragen in der Grundkonzeption der Arbeit hin, auf eine Ambiguität, die für sie wesenhaft ist.“

Bei Nino Klinglers Bewerbung lobte die Jury „umsichtige Beschreibungen von filmischen Verfahrensweisen und stringente Überlegungen, die das Gesehene verdichten und im Kontext eines Werkes beziehungsweise der Filmgeschichte [...] erhellen.“

Mit der Verleihung des nach dem herausragenden Filmtheoretiker Siegfried Kracauer benannten Auszeichnung startet die MFG Filmförderung eine Initiative zur Stärkung des Kinos. „Die Veränderungen in Distribution und Rezeption von Film veranlassen uns zur gezielten Untersuchung, an welchen Stellen wir dabei helfen können, den Fortbestand der Kinolandschaft hierzulande zu sichern“, so MFG-Geschäftsführerin Gabriele Röthemeyer anlässlich der Preisverleihung.

Der Filmkritiker Rüdiger Suchsland würdigte die historische Bedeutung Siegfried Kracauers (1889 - 1966) in einer Rede, die das Unvollendete und Prozesshafte des Films wie der Kritik betonte. VdFk-Vorstandsmitglied Frédéric Jaeger wies auf das kommende 60-jährige Jubiläum des Verbands hin und den bereits lange gehegten Wunsch, „einen solchen Preis zur Ehrung herausragender und gesellschaftspolitisch relevanter Filmkritik zu vergeben und ihn nach Siegfried Kracauer zu benennen.“

Foto: VdFk/Kisorsy

PODIUM: KRITIK MACHT KINO

Diskussion zum Beitrag der Kritik für die Film- und Kinokultur

Samstag, 23.11.2013 um 16h im Arsenal Kino 1, Filmhaus am Potsdamer Platz, offen für alle, freier Eintritt ohne Anmeldung

Teilnehmer:

Jutta Brückner (Filmemacherin, Leiterin Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste)
Lars Henrik Gass (Leiter Kurzfilmtage Oberhausen)
Dominik Kamalzadeh (Redakteur Der Standard, kolik.film)
Cristina Nord (Redakteurin taz)
Bernard Payen (Kurator Cinémathèque Francaise, Semaine de la Critique Cannes).

Moderation: Frédéric Jaeger (Chefredakteur critic.de)

Beginn: 16.00 Uhr, Einlass: 15.45 Uhr

Was kann Kritik, was hat sie verlernt, wofür brauchen wir sie heute? Siegfried Kracauer hatte darauf Antworten, die mit seinem berühmten Satz zu ihrer gesellschaftskritischen Funktion noch immer heraufbeschworen werden. Zum ersten Mal verleiht die MFG Filmförderung Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) einen Preis, der Kracauers Namen trägt und nachhaltig das Bewusstsein für die Bedeutung von Filmkritik stärken soll. Ausgezeichnet wird u.a. die beste Filmkritik des Jahres. Ausdruck der stets umkämpften Selbstbestimmung der Kritik wird am selben Tag auch eine Podiumsdiskussion sein, die nach dem Beitrag der Kritik für die Kinokultur forscht. Das Panel ist Teil eines Filmkritik-Kongresses des VdFk mit Workshops und Arbeitstreffen. 

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