VdFk lehnt Embargo durch die Berlinale ab

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) protestiert gegen das kurzfristig verhängte Embargo durch die Berlinale für Martin Scorseses neue Arbeit.

Berlin, 14.02.2014

Die Berlinale hatte gestern Abend in einer Email an die akkreditierten Journalisten jegliche kritische Berichterstattung zur heutigen Vorführung von Untitled New York Review of Books Documentary untersagt. In der Email wurde darauf verwiesen, dass es sich bei dem im Berlinale Special laufenden Film von Martin Scorsese und David Tedeschi – wie bereits bekannt – um eine vorläufige Arbeitsfassung handelt. Es würden lediglich drei Ausschnitte gezeigt und diese seien weder vom Bild noch vom Ton her fertig. Auf Nachfrage wurde seitens der Berlinale erklärt, das Embargo folge dem Wunsch von Martin Scorsese, dass es keine Berichterstattung über die unfertige Fassung geben solle. Das mit diesem Hinweis begründete Verbot von "Filmkritiken und -besprechungen" lehnt der VdFk ab.

Im Gegensatz zu Markt- und Pressevorführungen, bei denen Sperrfristen grundsätzlich zumindest juristisch nicht zu beanstanden sind, kann es bei öffentlichen Veranstaltungen ein solches, noch dazu zeitlich uneingeschränktes Berichterstattungsverbot nicht geben. Wir halten das Embargo daher für gegenstandslos. Nach Ansicht des VdFk handelt es sich um eine sowohl ungültige – weil einseitige – Beschränkung der Arbeit von Journalisten, die, sollte sie tatsächlich in irgendeiner Form durchzusetzen versucht werden, ein klarer Eingriff in die Pressefreiheit darstellen würde.

Die Berlinale ist darüber hinaus das einzige der drei großen europäischen Festivals, das eine Embargo-Regelung für Weltpremieren mit der Presseakkreditierung verknüpft. Auch diese Praxis kritisiert der VdFk als überzogen und unverhältnismäßig. Zudem zeugt sie von einem profunden Misstrauen gegenüber der Kritik. Im aktuellen Fall der öffentlichen Vorführung einer Arbeitsfassung ist Kritikern zuzutrauen, diese als solche zu behandeln und zu besprechen.

Der VdFk geht weiterhin davon aus, dass das Embargo keinerlei rechtlichen Prüfung standhalten dürfte und weist alle Journalisten darauf hin, dass sie es nicht zu befolgen haben. Der VdFk sichert in dieser Hinsicht allen betroffenen Kritikern Unterstützung und Solidarität zu, auch für den von uns ausgeschlossenen Fall, dass einem Kritiker aufgrund der Missachtung des Embargos eine Benachteiligung durch die Berlinale drohen sollte.